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Proposition

Als Propositionen werden die Entwürfe von Sachverhalten bezeichnet, die mit sprachlichen Mitteln zu realisieren sind und die als solche den Kern der Bedeutung von Sätzen jeder Art bilden. So wird etwa mit diesen Sätzen bei allen darüber hinaus gegebenen Bedeutungsunterschieden jeweils dieselbe Proposition ausgedrückt:

  1. Verstaatlicht der Minister die Banken? Frage-Modus
  2. Der Minister verstaatlicht die Banken. Aussage-Modus
  3. Möge der Minister die Banken verstaatlichen. Heische-Modus
  4. Wenn der Minister doch die Banken verstaatlichen würde! Wunsch-Modus
  5. Verstaatlichen Sie die Banken! Aufforderungsmodus

Der semantischen Einheit der Proposition entspricht im Deutschen keine Ausdruckseinheit, die unabhängig vom Modus eines Satzes zu identifizieren wäre, weil einige Elemente, die für den Ausdruck der Proposition zuständig sind, immer auch noch nicht propositionale Funktionen erfüllen. Wenn dennoch aus praktischen Gründen die Gesamtheit der Mittel, die zum Ausdruck einer Proposition beitragen, als Propositionsausdruck bezeichnet wird, dann immer im Sinn eines theoretischen Konstrukts.

Von Kontradiktionen und Tautologien abgesehen können Propositionen wahr sein oder falsch. Ob eine Proposition wahr ist oder nicht, ist immer nur im Hinblick auf eine Welt zu bestimmen. In der Regel ist dies die reale Welt, in literarischen Werken und Gedankenspielen können jedoch auch nur mögliche Welten zur Feststellung des Wahrheitswerts einer Proposition herangezogen werden: "Sieben Geißlein hat der Wolf im Märchen gefressen, und nicht etwa nur sechs."

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 22.04.2010 16:30.