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Prädikat

Als Prädikat wird bezeichnet, was im Rahmen des sprachlichen Entwurfs von Sachverhalten zum Zweck einer Charakterisierung einem Gegenstand zugeordnet wird, wobei als Gegenstand alles in Frage kommt, von dem die Rede sein kann: ein Mensch ebenso wie ein Gebäude, eine Krankheit oder ein Gefühl.

Es ist eine Frage theoretischer Festlegung, was genau dabei als Prädikat gelten soll und was als Bestimmung des Gegenstands: Man kann Prädikate maximal oder minimal bestimmen.

Die erste Option entspricht der traditionellen Subjekt-Prädikat-Logik. Prädikat ist dannach alles, was nicht mit dem Subjekt zum Ausdruck gebracht wird. Aus grammatischer Sicht ist diese Auffassung eher unbefriedigend, weil sie wichtige formale Erscheinungen im Ausdruck ignoriert.

Die zweite Option reduziert das Prädikat auf das, was im Deutschen mit einem Verbalkomplex zum Ausdruck gebracht werden kann. Wählt man die zweite Option, kann als Prädikat eine Eigenschaft dienen, die Einzel-Gegenständen zugeordnet werden kann. Man spricht dann von einem einstelligen Prädikat:

Die Verwaltung verwaltet.
Das Scharnier knarrt.

Als Prädikate können aber auch Beziehungen dienen, die zwischen zwei oder mehr Gegenständen bestehen können. In solchen Fällen spricht man von zwei-oder mehrstelligen Prädikaten:

Ein gebranntes Kind scheut das Feuer.
Er hat ihr einen Rosengarten versprochen.

Betrachtet man maximale und minimale Prädikate sowie mögliche Zwischenformen nicht als sich ausschließende Gegebenheiten, sondern als theoretischen Konstrukte zu Erklärungszwecken, können sie in einem übergreifenden Konzept vereint werden, das den Aufbau von Satzbedeutungen schrittweise erfasst.

Da der semantischen Einheit Prädikat im Deutschen, von seltenen Ausnahmen abgesehen, bestimmte Ausdruckskonfigurationen entsprechen, wird oft auch der Ausdruck selbst als Prädikat bezeichnet. Hier werden, um Missverständnisse zu vermeiden, solche Ausdrücke mit Blick auf ihre Zusammensetzung als Verbgruppen bezeichnet.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 21.09.2005 12:43.