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kommunikative Minimaleinheit

Thematisch verwandte Bezeichnungen:

  • kommunikative Ausdruckseinheit

Wo der allgemeine Sprachgebrauch von Sätzen spricht, unterscheiden wir die Einheiten 'Satz' und 'kommunikative Minimaleinheit'. Als kommunikative Minimaleinheiten betrachten wir funktional bestimmte Einheiten, nämlich die kleinsten sprachlichen Einheiten, mit denen eine sprachliche Handlung vollzogen werden kann.

Als Sätze betrachten wir dagegen Einheiten, die im Rahmen der Grammatik über ihre Form bestimmt sind: Sie enthalten ein finites Verb und die unter strukturellen und kontextuellen Bedingungen notwendigen Komplemente dieses Verbs. Darüber hinaus können sie auch Supplemente enthalten.

Beispielgruppe 1: Satz und gleichzeitig kommunikative Minimaleinheit:
Heute gibt es frische Brezeln.
Königsberg ist ein Tor zum Westen.
Brehme schießt ein Elfmetertor.
Hat die Union auch in Luxemburg Schwarzgeld?

Beispielgruppe 2: kommunikative Minimaleinheit, kein Satz:
Heute frische Brezeln.
Königsberg - ein Tor zum Westen.
Tor durch Brehme.
Union - Schwarzgeld auch in Luxemburg?

Beispielgruppe 3: Die einzelnen Teilsätze sind jeweils ein Satz, aber keine kommunikative Minimaleinheit:
Obwohl er lachte, war er doch gekränkt.
Man fragt sich, wo das ganze Geld herkommt.

Schwieriger als die Abgrenzung kommunikativer Minimaleinheiten gegen kleinere Einheiten, denen ihr Status nicht zukommt, ist die Abgrenzung gegen umfassendere Einheiten wie Paragraphen und ganze Texte, denn oft ist es nur eine Frage des Textaufbaus, ob etwas als komplexer Satz oder als Sequenz von Sätzen realisiert wird. Um nicht ohne Not mit solchen nur für Theoretiker wirklich interessanten abgrenzungsproblemen befasst zu werden, sprechen wir in GRAMMIS auch allgemeiner von kommunikativen Ausdruckseinheiten.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 18.02.2010 14:11.