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Irrealis

Von Sachverhalten kann grundsätzlich auf dreierlei Weise die Rede sein:

  1. Man kann sie als etwas betrachten, das gegeben ist.
  2. Man kann sie als etwas betrachten, das nicht gegeben ist.
  3. Man kann sie als etwas betrachten, das gegeben sein bzw. gewesen sein könnte.

Die dritte Option lässt zwei Interpretationen zu:

  • Es kann offen oder unklar sein, ob der Sachverhalt bestand, besteht oder bestehen wird. In diesem Fall spricht man von einem Potentialis.
  • Es kann bereits klar sein, dass der Sachverhalt nicht bestand, besteht oder je bestehen wird, aber er wird dennoch als Entwurf betrachtet. In diesem Fall spricht man von einem Irrealis.

Beispiele für den Potentialis:
Vielleicht hat sie den Zug verpasst.
Ich hätte gern noch ein Stück Sahnetorte.
Du wirst in deinen Leben noch Schlimmeres ertragen müssen.

Beispiele für den Irrealis:
Du hättest nicht nein sagen sollen!
Wenn das Wörtchen wenn nicht wär', wär' mein Vater Millionär.

Wie die Beispiele zeigen, kann Potentialität auf recht verschiedene Weisen zum Ausdruck gebracht werden, während Irrealität immer mit dem Konjunktiv Präteritum auszudrücken ist. Die Umkehrung - wenn Konjunktiv Präteritum, dann Irrealis - gilt allerdings nicht, wie das zweite Beispiel für den Potentialis zeigt.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 18.05.2006 15:35.