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Schlagwörter: Futur Präsens Präteritum Tempus => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext   Kompakttext

Tempus kompakt

Das deutsche Tempus-System kennt zwei einfache Tempora:

Hinzu kommt das

  • Futur (werden, Präsensstamm + Infinitiv)

das zwar einen komplexeren Ausdruck hat, entsprechend seiner Bedeutung aber als einfaches Tempus gelten kann.

Aus der Kombination dieser drei Tempora mit dem Infinitiv Perfekt ergeben sich die zusammengesetzten Tempora

Tempora werden unter Bezug auf diese beiden Zeitintervalle interpretiert:

Bei zusammengesetzten Zeiten wird zunächst die Betrachtzeit des Obertempus, d.h. der Tempusform des Hilfsverbs, bestimmt, die dann als Orientierungszeit für die Interpretation des Infinitiv Perfekt dienen.

Die einfachen Tempora

Präsens

Das Präsens legt über die Lage der Betrachtzeit relativ zur Sprechzeit nichts fest. Die Ermittlung der Betrachtzeit bleibt dem Kontext (sprachlich und außersprachlich) überlassen. Dabei spielen auch pragmatische Interpretationsmaximen eine wichtige Rolle: Wenn etwa jemand hier und heute feststellt, Gaius Julius Caesar überschreite den Rubicon, wird man kaum die Sprechzeit als Betrachtzeit annehmen. Doch, wo der Kontext keine besonderen Annahmen nahelegt, gilt: Sprechzeit = Betrachtzeit.

Präteritum

Das Präteritum legt fest, daß die Betrachtzeit vor der Sprechzeit liegt. Weitere Festlegungen bleiben dem Kontext überlassen.

Futur

Das Futur legt fest, dass die Betrachtzeit nach der Sprechzeit liegt oder sich mit dieser überschneidet.

Anders als bei den übrigen einfachen Tempora geht es bei der Bewertung von Futursätzen nicht um Wahrheit, sondern um Wahrscheinlichkeit aus der Sicht des Sprechers.

Die zusammengesetzten Tempora

Die Interpretationen zusammengesetzter Tempora ergeben sich durch Kombination der Interpretationen der entsprechenden einfachen Tempora mit folgender Bedeutung für den Infinitiv Perfekt:

Infinitiv Perfekt

Für zusammengesetzte Zeiten gilt folgende Infinitiv-Perfekt-Regel:

  • Die Orientierungszeit für den Infinitiv Perfekt ergibt sich aus der Betrachtzeit des einfachen Tempus (Präsens, Präteritum oder Futur), das mit dem Infinitiv Perfekt eine zusammengesetze Zeit bildet.
  • Die Betrachtzeit des Infinitiv Perfekt liegt stets vor der so bestimmten Orientierungszeit.

Präsensperfekt

Die Betrachtzeit für das Präsensperfekt ergibt sich, da sie auf dem Präsens basiert, wie dessen Betrachtzeit aus dem Kontext. Aufgrund der Infinitiv-Perfekt-Regel liegt sie stets vor der Betrachtzeit des Präsens, wie immer diese von Fall zu Fall zu bestimmen sein mag:

Nächstes Jahr bin ich seit 26 Jahren verheiratet.

Hallo, wir sind jetzt da!

Gestern sind wir nach Heidelberg geradelt.

Präteritumperfekt

Beim Präteritumperfekt bildet eine Präteritalform das Obertempus. Nach der Infinitiv-Perfekt-Regel liegt dann die Betrachtzeit für den tempuslosen Satzrest vor der präteritalen Betrachtzeit, also vor einer Betrachtzeit, die ihrerseits vor der Sprechzeit liegt.

Futurperfekt

Beim Futurperfekt liegt die Betrachtzeit des Obertempus - des Futurs - nach der Sprechzeit, oder sie überschneidet sich mit dieser. Nach der Infinitiv-Perfekt-Regel liegt die Betrachtzeit für den tempuslosen Satzrest vor der futurischen Betrachtzeit. Zu beachten ist, dass mit einem Satz im Futurperfekt notwendigerweise lediglich die subjektive Wahrscheinlichkeit zum Ausdruck gebracht werden kann, dass ein Ereignis der Art eingetreten sein wird, die der tempuslose Satzrest skizziert.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 05.12.2001 14:27.