grammis 2.0

das grammatische informationssystem des instituts für deutsche sprache (ids)
                                                                                             
Korpusgrammatik Grammatik in
Fragen und Antworten
Systematische
Grammatik
Grammatische
Fachbegriffe
Grammatisches
Wörterbuch
Grammatische
Bibliografie
                                                                             
                                   
Ausdruckskategorien und Ausdrucksformen Syntagmatische Beziehungen Paradigmatische Beziehungen Kommunikativ-funktionale Sicht Ressource: KonnektorenDB

[Impressum] [Datenschutzerklärung]

                                                                           
Schlagwörter: Passiv Vorgangspassiv => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext

Werden-Passiv mit Subjekt

Das werden-Passiv ist fraglos die verbreitetste und eben deshalb auch bekannteste Form der Passivbildung. Zwar erlauben überhaupt nur Verben, zu denen - im Aktiv - ein Akkusativkomplement treten kann, ein werden-Passiv, sofern keine Einschränkungen der Transitivität greifen, doch stellen diese Verben bei weitem das Gros aller Verben des Deutschen.

Beispiele

..., dann hätte das Problem von Parker Gilbert gelöst werden müssen.
(Brüning, Memoiren 1918-1934, 226-232)

Über Lautsprecher wird die Menge schließlich aufgefordert den Bahnhof sofort zu verlassen und nach Hause zu gehen.
(40 Tage im Herbst, Sendung des SWR1 1999)

Zügellos wird von Politikern und Medien der BRD eine, stabsmäßig vorbereitete, Heim-ins-Reich-Psychose geführt, um Menschen in die Irre zu führen und auf einen Weg in ein ungewisses Schicksal zu treiben.
(40 Tage im Herbst, Sendung des SWR1 1999)

Das Heu sollte je nach Güte getrennt aufbewahrt werden, z.B. verregnetes und saures Heu für sich, ebenso das Grummet.
(Gärtner, Der Jungbauer, 226f)

Sätze mit werden-Passiv unterscheiden sich von entsprechenden Aktivsätzen formal in zwei Punkten:

  1. Das Subjekt des Aktivsatzes (Ksub) hat entweder keine Entsprechung im Passivsatz oder ihm entspricht eine Präpositionalphrase, die mit von oder - seltener - durch eingeleitet wird.
  2. Das Akkusativkomplement (Kakk) des Aktivsatzes entspricht dem Ksub des Passivsatzes.

Beispiele

Der Alterspräsident [Ksub] eröffnete die Sitzung des neuen Bundestags [Kakk].
Die Sitzung des neuen Bundestags [Ksub] wurde vom Alterspräsidenten [Kpräp] eröffnet.
Die Sitzung des neuen Bundestags [Ksub] wurde eröffnet.

Eventuell vorhandene weitere Komplemente werden in Aktiv- und Passivsatz identisch realisiert.

Du Schändlicher, kamst als ein Landstreicher zu uns, und wir [Ksub] vertrauten dir [Kdat] unsre Herden [Kakk] an, ist das nun dein Dank?
(Tieck, Die verkehrte Welt, Werke 2, 307)

..., unsere Herden [Ksub] wurden dir [Kdat] von uns [Kpräp] anvertraut, ...

Ich [Ksub] versicherte sie [Kakk] meiner ewigen Freundschaft [Kgen] .
(Gellert, Leben der schwedischen Gräfin von G**, Werke 2, 40)

Sie [Ksub] wurde von mir [Kpräp] meiner ewigen Freundschaft [Kgen] versichert .

Das Vorhandensein von Ksub und Kakk in der Aktivform ist eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung dafür, dass ein Verb transitiv ist. Will man die Regularitäten der Bildung von werden-Passivformen erfassen, sind eine Reihe semantischer und syntaktischer Restriktionen in Rechnung zu stellen.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 04.10.2011 11:40.