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Schlagwörter: Abtönungspartikel Diskurs Wortart => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext   Kompakttext

Abtönungspartikel

Abtönungspartikeln wie ja, halt, doch, denn, eben, vielleicht sind typisch für den Diskurs. Sie zielen auf Erwartungen und Einstellungen des Sprechers und Hörers und tragen dazu bei, Äußerungen in den jeweiligen Handlungszusammenhang zu integrieren.

Mit der Äußerung Die Läden sind doch schon geschlossen! unterstellt zum Beispiel der Sprecher den Sachverhalt als bekannt, dass die Läden geschlossen sind. Abtönungspartikeln sind satzmodussensitiv, d.h. es bestehen Bindungen zwischen einzelnen Abtönungspartikeln und bestimmten Satzmodustypen, etwa dem Aussagesatz, dem Fragesatz und dem Aufforderungssatz. Abtönungspartikeln sind an das Mittelfeld gebunden, können keine Phrasen bilden und nicht erfragt werden. Sie können untereinander kombiniert werden: Du hast doch wohl nicht etwa Angst? Abtönungspartikeln sind großteils unbetont, einige dagegen müssen betont werden.

Beispiele

Das war vielleicht eine Schweinerei!

Möchtest du etwa in meiner Haut stecken?

Wie heißt eigentlich dein Hund?

Und man muss sich nur vor einem hüten, dass man eben dann wirklich sagt, alle Leut' sind blöd, die etwas über einen schreiben, denn es gibt halt auch die wahnsinnig Guten.
(Jürgen von der Lippe 1995 in SDR 3 Leute)

Nun sei doch froh, dass wir hier in Ruhe frühstücken können.
(Marietta Meguid 1997 in SDR 3 Die Schwabensaga, 2. Staffel)

Wenn ich doch nur die Kraft hätte, Peter!
(Domenica 1994 in SDR 3 Leute)

Das kann man immer wieder beobachten eben, dass RTL eben dann eher mit der Katastrophe aufmacht und die politische Nachricht erst an zweiter Stelle bringt, und beim ARD und ZDF wäre es dann doch umgekehrt gewichtet.
(Petra Gerster 1998 in SWR1 Leute)

Am 21. Juni saß er in unserem Berliner Studio und hörte sich die Frage an, ob er damals, als Stasi-General, denn auch die Bundesrepublik besucht habe.
(Wolfgang Heim 1995 in SDR 3 Leute)

Unbetont vorkommende Abtönungspartikeln aber,auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, etwa, , halt, ja, mal, nicht, nur, ruhig, schon, überhaupt, vielleicht, wohl
Betont vorkommende Abtönungspartikeln ja, bloß, denn, doch, eh, eigentlich, ruhig, schon, überhaupt, wohl

Hierher gehören auch landschaftlich geprägte Abtönungspartikel wie das süddeutsche fei und das norddeutsche man.

Ein "Des kannsd ned mach'n" ohne "fei" will uns nicht so recht über die Lippen - "fei ned mach'n" muss es fei heißen!
(Nürnberger Nachrichten 29.3.2008, 5)

Ich will man nicht zu sehr meckern weil man ja eigentlich zufrieden sein kann.
(http://dennis-wisnia.de/wordpress, 2.2.2011)

Andere Bezeichnungen und Zuordnungen

Modalpartikel, Satzpartikel, Einstellungspartikel, Existimator, Würzwort.

Über die Funktion der Abtönungspartikeln für den Diskurs sind sich Grammatiker weitgehend einig; je nach syntaktischer Beschreibung der Klasse weichen sie aber in der Zuordnung einzelner Einheiten voneinander ab, z.B. werden nur unbetonte oder keine vorfeldfähigen Einheiten hierher gerechnet.

Bei manchen Einheiten wie überhaupt, eigentlich, einfach, erst ist die Zuordnung unklar, da ihre abtönende Funktion im Mittelfeld von anderen Funktionen wie der Satzverknüpfungsfunktion der Konnektoren schwer zu unterscheiden ist. Entsprechend uneinheitlich werden diese Einheiten in der Partikelforschung behandelt.

Typisch für Abtönungspartikeln ist, dass sie großteils Homonyme in anderen Wortklassen haben, etwa in der Klasse der Adjektive, der Adverbien und der Fokus- und Konnektivpartikeln.

Morphologische Eigenschaften

Abtönungspartikeln sind unflektierbar.

Syntaktische Eigenschaften

Abtönungspartikeln bilden keine Phrasen, sind aber miteinander kombinierbar.

Du kannst fei ruhig zum Essen bleiben.
Ja da muss man sich doch einfach hinlegen.
Findest du das denn vielleicht schön?

Sie sind nicht durch w-Fragen erfragbar.

Wie gefällt dir das?
*Vielleicht.

Abtönungspartikeln sind an das Mittelfeld gebunden. Dort werden sie je nach Fokus verschieden positioniert.

Vor lauter Wut hat ja Lea gestern in ihrem Zimmer das gerade gemalte Bild in zwei Stücke gerissen.
Vor lauter Wut hat Lea ja gestern in ihrem Zimmer das gerade gemalte Bild in zwei Stücke gerissen.
Vor lauter Wut hat Lea gestern in ihrem Zimmer ja das gerade gemalte Bild in zwei Stücke gerissen.
Vor lauter Wut hat Lea gestern in ihrem Zimmerdas gerade gemalte Bild ja in zwei Stücke gerissen.

Sie sind großteils unbetont. Einige Abtönungspartikeln wie ja, bloß, doch treten auch als betonte Formen auf, haben dann aber eine andere Funktion und Distribution.

Du spinnst ja!
Du spinnst *ja!

Lass dich hier ja nicht wieder blicken!
Lass dich hier *ja nicht wieder blicken!

Abtönungspartikeln sind neben Verbgruppen- und Satzadverbialia ein dritter Typ von Supplementen. Mehr dazu in der Einheit Abtönungspartikeln als Supplemente.

Semantische und funktionale Eigenschaften

Abtönungspartikeln zielen auf Einstellungen des Sprechers und der Hörers und tragen dazu bei, Äußerungen in Handlungszusammenhänge zu integrieren. Auf diese Weise können sie auch gesprächssteuernd wirken. Mit einer Äußerung wie Du kennst doch die Mitzi versucht z. B. ein Sprecher einen Konsens mit dem Hörer herzustellen. Mit Findest du die etwa schön? legt er dem Hörer eine negative Antwort nahe.

Zwischen den einzelnen Abtönungspartikeln und bestimmten Satzmodi bestehen regelhafte Beziehungen. Abtönungspartikeln sind satzmodussensitiv. So kommt z. B. denn nur im Fragemodus vor. Betontes ruhig und ja kommt nur im Aufforderungsmodus vor.

Wer ist denn das? Kennst du die denn?
Komm ruhig rein!
Lass ja die Finger davon!

Zusätzliche Literatur in Auswahl

Weydt 1969; Franz 2001; Thurmair 2001; Autenrieth 2005; Strecker 2006; Waltereit (2006); Diewald 2007.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 07.09.2017 14:30.