grammis 2.0

das grammatische informationssystem des instituts für deutsche sprache (ids)
                                                                                             
Korpusgrammatik Grammatik in
Fragen und Antworten
Systematische
Grammatik
Grammatische
Fachbegriffe
Grammatisches
Wörterbuch
Grammatische
Bibliografie
                                                                             
                                   
Ausdruckskategorien und Ausdrucksformen Syntagmatische Beziehungen Paradigmatische Beziehungen Kommunikativ-funktionale Sicht Ressource: KonnektorenDB

[Impressum] [Datenschutzerklärung]

                                                                           
Schlagwörter: Pronomen Relativsatz Wortart => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext   Kompakttext

Relativ-Elemente

Relativ-Elemente schließen einen Relativsatz an einen übergeordneten Ausdruck an. Diese Funktion können im Deutschen Einheiten verschiedener Wortarten erfüllen. Gemeinsam ist allen die Funktion der Reorientierung auf einen zuvor thematisierten Redegegenstand zum Zweck der Einbettung einer Proposition, die den Gegenstand klar stellt (restriktiver Relativsatz), eine Zusatzinformation bringt (appositiver Relativsatz) oder die Vorgängerproposition thematisch weiterführt (weiterführender Relativsatz).

restriktiver RelativsatzKennen Sie die Frau, die das geschrieben hat?
appositiver RelativsatzSie, die übrigens ein Buch geschrieben hat, ist vierzig.
weiterführender RelativsatzSie schrieb einen Roman, was alle überraschte.

Beispiele

Wir reden immer von der Kritik oder wir reden nur von den Leuten, die meinen, die Kritik bestimmen zu können. (Günter Grass 1995 in SDR3 Leute)

Relativ-Elemente bedingen in dem Satz, an dessen Spitze sie stehen, Verbletztstellung und üben in diesem Satz selbst eine syntaktische Funktion als Komplemente, Supplemente oder Attribute aus.

Relativ-Elemente stimmen in Numerus und Genus mit dem Kopf der Nominalphrase oder Pronominalphrase überein, an die der Relativsatz angeschlossen ist, während der Kasus relativsatzintern bestimmt wird.

Das Relativ-Element kann selbst Teil einer Nominal- oder Präpositionalphrase sein:

das Haus, an das sie gedacht hat
das Haus, dessen Besitzer sie nicht kennt
das Haus, mit dessen Besitzer sie gesprochen hat

Relativsatz

Als Relativ-Elemente können verwendert werden: Demonstrativ-Pronomina, w-Pronomina, w-Präpositionaladverbien und deiktische w-Adverbien.

Demonstrativ-PronominaHunde, die bellen, beißen nicht.
das Haus, an das sie gedacht hat
w-Pronominaalles, was ich weiß
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
w-Präpositionaladverbiennichts, wofür zu kämpfen sich lohnt
manches, womit nicht zu rechnen war
deiktische w-Adverbiendort, wo die Zitronen blühn
die Art und Weise, wie das vor sich geht

Die Form was wird vor allem nach dem anaphorischen Personalpronomen das eingesetzt, nach nominalisierten Adjektiven wie das Wichtigste, das Schönste und nach Indefinit-Pronomina wie alles.

das, was wir erfahren haben
das Wichtigste, was wir erfahren haben
alles, was wir erfahren haben

Die Formen wer, wen, was, wem leiten darüber hinaus freie Relativsätze ein wie Wer rastet, rostet.

Er verbindet diese mit der Geschichte seiner Eltern, welche aus Italien stammen. "Sie schätzten die Ehrlichkeit und Sauberkeit und sahen den Fleiss, den Willen zur Tat und die Sparsamkeit in diesem Land. Diese Werte fanden sie wichtig", so Spada. Sie hätten die Werte übernommen. Spada erinnert sich an ein Zitat seines Vaters: "Wer schläft, fängt keine Fische." (St. Galler Tagblatt 2.8.2009, 33)

Im Standarddeutschen soll es eigentlich keine bloß formal markierenden Relativpartikeln geben, oft werden aber wo und was synchron verwendet. Als Relativ-Element hat wo lokaldeiktischen Charakter (in Mannheim, wo ich seit zwanzig Jahren wohne), ist aber auch über das im engeren Sinne Lokale hinaus gebräuchlich.

so eine Sache, wo unklar ist, wer sie vertritt

der Mann, wo mich gefragt hat

Unter einer wissensbezogenen Wörterbuchfunktion wird jene Gebrauchssituation verstanden, wo ein potentieller Wörterbuchbenutzer Auskünfte in einem Wörterbuch mit dem Ziel sucht, sich mehr Wissen zu beschaffen. (Bergenholtz 2000, 21)

Vgl. dazu unter anderen Lötscher 2004, Pittner 2004 sowie:

Zusätzliche Literatur in Auswahl

Prinzhorn/​Schmitt 2006; Pittner 2007.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 28.06.2018 14:27.