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Schlagwörter: Intonation Phonologie Prosodie => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext

Intonation

Bei der Intonation handelt es sich um eine zentrale Eigenschaft einer Sprache. Als Sprecher einer Sprache kann nur gelten, wer ihre Intonation beherrscht.

Der Terminus Intonation wird manchmal eng definiert und beinhaltet dann hauptsächlich die Tonhöhenbewegungen beim Sprechen. Intonation soll hier aber im weiteren Sinne verstanden werden und umfasst die folgenden Eigenschaften des Sprechens. Traditionell wird für diese Bestimmung von Intonation auch der Terminus Suprasegmentalia verwendet.

Eigenschaften des Sprechens

  • Tonbewegung, auch Tonhöhenbewegung, Prosodie oder Sprechmelodie genannt
  • Lautstärke
  • Dauer von Segmenten
  • Klangfarbe
  • Pausengliederung

Deutsche Intonation im Sprachvergleich

Das Deutsche gilt nicht als Tonsprache im klassischen Sinn, hat aber in einem Teilbereich auch lexikalisch distinktive Funktionen von Tönen und gilt daher als partielle Tonsprache. Als Beispiel sind vor allem Interjektionen zu nennen. Ferner kann im Deutschen die Wortakzentuierung peripher als lexikalisch distinktiv auftreten: übersetzen versus übersetzen. Siehe dazu auch Komplexe Verben.

In Tonsprachen wie Chinesisch, Vietnamesisch und vielen afrikanischen Sprachen sind auch intonatorische Eigenschaften lexikalisch distinktiv, nämlich die Töne: Mit unterschiedlichen Tonstrukturen ergibt sich für ein Lautsegment eine unterschiedliche Bedeutung. Tonsprachen unterscheiden Wortbedeutungen anhand von Tonkonturen oder verschiedenen Tonhöhen. So kennt das Chinesische folgende vier Tonkonturen.

gleichbleibend ma [ - ] = Mutter
steigend ma [ / ] = Hanf
fallend ma [ \ ] = schimpfen
fallend-steigend ma [ \/ ] = Pferd

Dimensionen der Intonation

Man kann die intonatorischen Einheiten in unterschiedlichen Dimensionen betrachten: im Blick auf die Produktion, die Rezeption oder als akustisches Ereignis. Maßgeblich für uns ist die auditive Perspektive. Wir gehen beispielsweise von einer Formcharakteristik wie "fallendes Tonmuster" aus, dem akustisch bestimmte Typen von Verläufen der Grundfrequenz entsprechen. Mit dieser Charakteristik wird eine sprachsystematische Größe erfasst, die mit der Charakteristik funktionaler Differenzierung korrespondiert.

Das Zusammenspiel intonatorischer Eigenschaften konstituiert auditiv-interpretativ zu gewinnende Intonationsphänomene wie Akzent, Grenztonmuster, Rhythmus, Tempo und Pause. Von besonderer Bedeutung sind die Tonbewegung und die relative Tonhöhe. Offenbar können Hörer recht gut unterscheiden, ob ein Laut relativ zur Umgebung höher oder tiefer artikuliert wurde. Die Tonhöhe ist wichtig für die Bestimmung von Tonmustern. Die Lautstärke korreliert mit bestimmten Tonbewegungen und ist vor allem für die Akzentuierung nicht allein ausschlaggebend, aber wichtig. Die Länge ist als zeitlicher Parameter für Rhythmus, Tempo und Pausenstruktur heranzuziehen.

Funktionen der Intonation

Die Intonation kann im Deutschen folgende Funktionen haben. Diese Funktionen sind unterschiedlich erforscht; dies gilt besonders für (5) - (7), die deshalb in dieser thematischen Einheit nicht behandelt werden.

  1. Bedeutungsunterscheidung bzw. Bedeutungsspezifizierung, besonders bei den Interjektionen
  2. Gliederung der Äußerung in Teileinheiten wie Sätzen, Phrasen und Wörtern
  3. Kennzeichnung des Satzmodus in Interaktion mit Sprachmitteln wie Stellung des finiten Verbs, Akzentuierung durch bestimmte Tonmuster
  4. kommunikative Gewichtung von Äußerungsteilen in Interaktion mit Wortstellung, bestimmten Partikeln und syntaktischer Struktur durch Akzentuierung
  5. rhetorische Emphase
  6. Markierung sozialer, regionaler/ dialektaler und stilistischer Varietäten
  7. Ausdruck von Emotionen wie Gespanntheit, Erregung, Wut

Das Phänomen der Intonation im weiteren Sinne wird in den folgenden drei Untereinheiten beschrieben:

Literatur in Auswahl

Schmidt 2001; Inozuka 2003; Molnár 2004; Büring 2005.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 09.08.2017 14:03.