grammis 2.0

das grammatische informationssystem des instituts für deutsche sprache (ids)
                                                                                             
Korpusgrammatik Grammatik in
Fragen und Antworten
Systematische
Grammatik
Grammatische
Fachbegriffe
Grammatisches
Wörterbuch
Grammatische
Bibliografie
                                                                             
                                   
Ausdruckskategorien und Ausdrucksformen Syntagmatische Beziehungen Paradigmatische Beziehungen Kommunikativ-funktionale Sicht Ressource: KonnektorenDB

[Impressum] [Datenschutzerklärung]

                                                                           
Schlagwörter: Attribut Nominalphrase => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext

Erweiterung von Nominalphrasen mit Erweiterungsnomina

Erweiterungsnomina sind selbst nicht durch Attribute oder Artikel erweiterbare Supplemente zum Nomen. Sie werden direkt auf das noch nicht erweiterten Nomen angewandt und folgen ihm in der Regel unmittelbar. Sie können dabei - anders als Appositionen - sogar einem Genitiv-Attribut vorangehen, ohne dass es dadurch zu Mehrdeutigkeiten hinsichtlich des Bezugs dieses Attributs käme:

mein Onkel Kurt
der Kater Carlo meines Freundes

Dagegen:

* der Kater, ein ganz verfressener Kerl, meines Freundes

Erweiterungsnomina in dieser Position sind ausnahmslos unflektiert ('nomen invarians'). Semantisch sind sie als restriktive Modifikatoren einzuschätzen.

Seltener - jedoch nicht selten - gehen Erweiterungsnomina dem Kopfnomen voraus. Sie sind dabei in der Regel ebenfalls unflektiert. Nur in wenigen Ausnahmen werden sie kongruent mit dem Kopfnomen flektiert ('nomen varians'). In dieser Position wirken sie als appositive Modifikatoren.

Postnominale Erweiterungsnomina

Als postnominale Erweiterungsnomina werden überwiegend Eigennamen gebraucht, denen klassifikatorische Nomina bestimmter Art vorangehen. Im Wesentlichen finden sich dabei diese Kombinationen:

KopfnomenErweiterungsnomenBeispiele
TitelPersonennameBeispiele
FunktionsbezeichnungPersonennameBeispiele
BerufsbezeichnungPersonennameBeispiele
VerwandtschaftsbezeichnungPersonennameBeispiele
andere BeziehungsbezeichnungPersonennameBeispiele
AnredePersonennameBeispiele
Institutions- und ImmobilienbezeichnungOrts- oder PersonennameBeispiele
geografischer BegriffName einer geografischen EinheitBeispiele
ZeitbegriffName einer Zeiteinheit Beispiele
GattungsbezeichnungArtbezeichnungBeispiele
ArtbezeichnungSortenbezeichnungBeispiele
MarkenbezeichnungTypenbezeichnungBeispiele
VorgangsbezeichnungNameBeispiele
FallbezeichnungNameBeispiele
KapitelangabeZifferBeispiele
sprachliche Ausdruckskategoriesprachlicher AusdruckBeispiele

Bei Kombinationen wie die Regierung Schröder, das Kabinett Blair wird mittels Eigenname der Exponent des gesamten im Kopfnomen genannten Kollektivs bezeichnet. Kombinationen wie das Städtische Krankenhaus Mannheim wird ein Ortsname als Erweiterungsnomen zu einer Institutionsbezeichnung gesetzt.

Möglich sind auch "gekoppelte" Erweiterungsnomina wie in (die) Strecke Berlin-Leipzig, (das) Büro Lindemann-Kruse, in Sachen Kilian-Wolpert.

Zu klassifikatorischen Kopfnomina können Erweiterungsnomina treten, die keine Eigennamen: das Prinzip Hoffnung, die Tugend Bescheidenheit , das Fach Mathematik.

In gewissem Umfang können Erweiterungsnomina auch rekursiv verwendet werden:

der Drucker HP Color Inkjet CP 1160

mit folgender Struktur:

Pränominale Erweiterungsnomina

An pränominalen Erweiterungsnomina finden sich diese Formen:

  • Vornamen im Verhältnis zu Nachnamen:
    Bettina von Arnim, Fritz Walter
    Allein oder zusammen mit dem Nachnamen können Vornamen auch nachgestellte Erweiterungsnomina bilden:
    der Fußballer Fritz Walter, die Sängerin Erna Sack
  • Bezeichnungen von Titeln, Funktionen, Verwandtschaftsbeziehungen und anderen sozialen Beziehungen vor Personennamen:
    (die Praxis) Doktor Erwin Maiers, Genosse August Bebels Uhr, Kanzler Schmidts Abwahl, Tante Amalies Kolonialwarenladen

Pränominale Erweiterungsnomina kommen nur im Singular vor. Sie haben, wie der pränominale Genitiv, gleichzeitig Determinativfunktion. Kookkurrenz mit einem Determinativ ist dabei ebenso ausgeschlossen wie ein Attribut zu diesem Nomen. Wo - bei im Übrigen gleicher Wortwahl - doch ein Artikel vor einem pränominalen Erweiterungsnomen zu stehen scheint, handelt es sich tatsächlich um das Kopfnomen der Nominalphrase, dessen Kasus und Numerus variieren kann und das pränominal erweitert werden kann:

Man gedachte des verunglückten Titelverteidigers Mauk.
versus
* Man gedachte verunglückter Titelverteidiger Mauks.

Man gedachte der Titelverteidiger Mauk und Kentner.
versus
* Man gedachte Titelverteidiger Mauks und Kentners.

Anmerkung zum obigen Beispiel (Abschnitt ein-/ausblenden)

Das letzte Beispiel ist zwar formal korrekt, doch ist der Satz nicht so zu interpretieren, als seien Mauk und Kentner beide Titelverteidiger.

Pränominale Erweiterungsnomina sind in der Regel unflektiert (nomen invarians). Nur das Erweiterungsnomen Herr wird stets, Kollege und Genosse werden gelegentlich flektiert und kongruieren dann mit ihrem Kopfnomen im Kasus:

Die Handlungsweise des Herrn Bundeskanzlers ist mit dem Wort vom Husarenstreich, das Herr Dr. Zinn gebraucht hat, wie mir scheint, noch unvollkommen gekennzeichnet.
(Dolf Sternberger, 26. 7. 1960 im Hessischen Rundfunk)

Kollegen Riesters Rentenreform
Genossen Honeckers Abgang

Jedoch:

* Man gedachte Titelverteidigers Mauks.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 19.07.2018 13:58.