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Schlagwörter: Attribut Nominalphrase => Schlagwortwolke/Tag Cloud Detailtext

Die Struktur erweiterter Nominalphrasen

Nominalphrasen können durch verschiedene Typen von Attributen auf zweierlei Weise über ihren unverzichtbaren Ausdrucksbestand hinaus erweitert werden:

  1. durch Erweiterung der Nominalphrase insgesamt, wie sie etwa in diesen Beispielen vorliegt:

In beiden Fällen liegt eine nicht-restriktive Erweiterung vor. Dass es sich jeweils um Attribute zur Nominalphrase - in der Funktion als NP-Supplemente - handelt und nicht ewa um Attribute zum Kopfnomen, wird beim ersten Beispiel am Demonstrativ-Artikel diesem erkannt, beim zweiten daran, dass eine sog. Apposition vorliegt, die auszeichnet, dass sie artikulatorisch nicht in die Phrase integriert ist, sondern den Charakter einer Parenthese (Einfügung) hat, im Satz erkennbar an kurzen Pausen vor und nach der Apposition.

Während Appositionen grundsätzlich nicht-restriktiv sind, können andere Attribute auch restriktiven Charakter haben:

Ich kenne ein Buch, das die verschiedenen Stadien der Alzheimer-Krankheit beschreibt.

  1. durch Erweiterung der nominalen Komponente der Phrase, wie sie etwa in diesen Beispielen vorliegt:

Für eine Erweiterung stehen - insgesamt betrachtet - diese Ausdrucksmittel zur Verfügung:

Adjektive und Adjektivphrasen Beispiele
Nominalphrasen im Genitiv Beispiele
Adjunktorphrasen Beispiele
Erweiterungsnomina Beispiele
Präpositionalphrasen und Präpositionaladverbien Beispiele
Nominalphrasen als Attribute zu Maßausdrücken Beispiele
Appositionen Beispiele
Infinitive und Infinitivkonstruktionen Beispiele
Attributsätze Beispiele

Nicht jede Form der Erweiterung - Attribution - ist auf beliebiger Basis vorzunehmen. Aufgrund formaler und semantischer Eigenschaften lassen sich zwei Klassen von Erweiterungen unterscheiden, die sich auch ausdrucksseitig verschieden verhalten:

  1. Erweiterungen, die unabhängig von der Nominalphrase vorgenommen werden können, die ihnen als Basis dient
  2. Erweiterungen, die nur auf der Basis bestimmter Nomina möglich sind

Erweiterungen vom Typ (i) werden in Analogie zu freien Erweiterungen auf Satzebene als Supplemente bezeichnet, und zwar je nach Basis der Erweiterung als N-Supplemente oder NP-Supplemente. Auf ein Bezugsnomen angewandt modifizieren sie die Information, die damit zu geben ist.

Erweiterungen vom Typ (ii) bezeichnet man in Analogie zu Einheiten, die auf Satzebene Prädikate zu Sätzen ergänzen, als Komplemente.

Von Entsprechung kann hier allerdings nur mit Einschränkungen geredet werden, denn Nomina bedürfen aus formaler Sicht - anders als Verbalkomplexe - keiner Ergänzung durch Komplemente. Die Entsprechung besteht hier in der Tatsache, dass sie vom Nomen formal selektiert werden.

Einige Beispiele:

Typ (i)

  • das grüne Gras
  • Männer, die nicht nein sagen können
  • das Schloss meiner Mutter

Typ (ii)

  • die Annahme, sie sei besonders leicht zu beeinflussen
  • die Fähigkeit fünf Minuten lang die Luft anzuhalten
  • der Fall, dass sich unabhängig voneinander zwei Bomben gleichzeitig an Bord befinden
  • der Gedanke an Piroska
  • das Beharren auf einer Entschuldigung
  • einem Fass tschechischem Pils

Kurze Anmerkung (Abschnitt ein-/ausblenden)

Die Unverträglichkeit bestimmter Erweitungsmöglichkeiten mit bestimmten Subklassen von Nomina darf nicht verwechselt werden mit sachlicher Unverträglichkeit. So wird man etwa unter sachlichem Aspekt feststellen, dass es runde Quadrate nicht gibt, doch unter grammatischem Aspekt ist gegen eine Phrase wie diese runden Quadrate nichts einzuwenden. Was beide Arten von Unverträglichkeit unterscheidet, lässt sich anhand einer Frage zeigen: Gibt es einen solchen Gegenstand oder nicht? Dabei kommt es dann nicht darauf an, diese Frage korrekt zu beantworten, sondern zu prüfen, ob sie überhaupt sinnvoll gestellt werden kann, denn bei strukturbedingter Unverträglichkeit - etwa: das Holz, dass er in Ketsch wohnt - von Nomen und Erweiterung ist nicht einmal die Frage sinnvoll.

Neben solchen semantisch bedingten Beschränkungen der Erweiterungsmöglichkeiten finden sich Beschränkungen eher technischer Natur bezüglich der Positionierung von Attributen verschiedener Typen sowie dem Miteinander- und Nebeneinander mehrerer Attribute innerhalb einer Nominalphrase. So muss im Deutschen etwa ein attributives Adjektiv stets dem Nomen vorangehen, das sein Genus und seinen Numerus bestimmt, und es darf nie vor ein pränominales Genitivattribut gestellt werden:

einer klugen Kollegin - *einer Kollegin klugen

Peters freche Bemerkung - *freche Peters Bemerkung

Ausführlich dazu:

Stellungsregularitäten in Nominalphrasen

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 13.01.2017 14:17.