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Schlagwörter: Entscheidungsbaum Fugenelement Kompositum

Interpretation des Entscheidungsbaums

Wir haben einen Entscheidungsbaum modelliert, der Vorhersagen über die Wahl des Fugenelements in nominalen Komposita ermöglicht (vgl. Abbildungen 1 und 2 unten). Das auf diese Weise entstandene Modell wird im Folgenden beschrieben und interpretiert sowie in Bezug zu existierenden Hypothesen über die Verteilung von Fugenelementen gesetzt.


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Abbildung 1: Entscheidungsbaum Teil A (konsonantisch auslautendes Erstglied)

Zu den Zahlenwerten (Abschnitt ein-/ausblenden)

Zahlenwerte in Klammern: Anzahl korrekt und falsch vorausgesagte Komposita, Summenangabe zusätzlich mit prozentualem Anteil der korrekt vorausgesagten Komposita.


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Abbildung 2: Entscheidungsbaum Teil B (mit auslautendem Vokal des Erstglieds)

Zu den Zahlenwerten (Abschnitt ein-/ausblenden)

Zahlenwerte in Klammern: Anzahl korrekt und falsch vorausgesagte Komposita, Summenangabe zusätzlich mit prozentualem Anteil der korrekt vorausgesagten Komposita.

Welche Voraussagen trifft unser Modell also für das Auftreten von Fugenelementen, bzw. lässt sich überhaupt eine Fugen-Systematik erkennen? Am obersten Knoten unseres Baummodells wird zunächst spezifiziert, ob es sich beim letzten Laut des Erstglieds um einen Konsonanten oder um einen Vokal handelt. Jede (mitunter komplexe) Bedingung für das Auftreten eines bestimmten Fugenelements beginnt also mit der Spezifizierung des letzten Erstgliedlauts ("letzter Laut = Vokal" oder "letzter Laut = Konsonant"). Allerdings handelt es sich im Entscheidungsbaum bei keinem der beiden Fälle um einen terminalen Knoten – zur Vorhersage der Fuge ist jeweils die Bestimmung zusätzlicher Merkmale des Erstglieds notwendig. Das Zweitglied hingegen spielt in unserem Modell so gut wie keine Rolle, da es nur an drei Knoten im Baum, die sich hierarchisch gesehen sehr weit unten befinden, spezifiziert werden muss. Die Merkmale des Zweitglieds sind also nicht nur quantitativ von untergeordneter Bedeutung, sondern kommen wenn überhaupt erst dann ins Spiel, wenn bereits zahlreiche andere Merkmale des Erstglieds festgelegt wurden. Somit wird durch unseren Entscheidungsbaum prinzipiell bestätigt, dass "das Erstglied […] das Fugenelement [bestimmt]" und Fugenmorpheme "so und nicht anders […] systematisch zu fassen sind" (Fuhrhop 1996, S. 206). Allerdings werden in unserem Modell keine semantischen Eigenschaften des Zweitglieds berücksichtigt - Nübling und Szczepaniak etwa stellen in ihrer Untersuchung fest, dass nur Zweitglieder mit "ausgeprägter Verbalität" einen Einfluss auf die Kompositionsfuge ausüben können: "Insbesondere deverbale Abstraktbildungen wirken durch ihre noch vorhandene Argumentstruktur auf das Erstglied ein und blockieren dabei tendenziell seine Verfugung", z.B. Stellungname (Nübling/Szczepaniak 2011, S. 57).

Aus Gründen der Übersichtlichkeit haben wir den Entscheidungsbaum unterhalb der Entscheidung über den Typus des letzten Erstgliedlautes in zwei Bäume aufgeteilt: Entscheidungsbaum Teil A (Abbildung 1 oben) zeigt alle Knoten nach der Entscheidung "letzter Laut = Konsonant" und Entscheidungsbaum Teil B (Abbildung 2 oben) nach der Entscheidung "letzter Laut = Vokal". Zudem haben wir für die Darstellung den Baum auf die im Folgenden tatsächlich diskutierten Knoten beschränkt. Weggefallen sind Äste, die nur wenige unterschiedliche Komposita und insbesondere wenig unterschiedliche Erstglieder voraussagen, sowie Äste, deren Voraussagen nicht in linguistisch sinnvolle Regeln übertragen werden konnten.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 30.05.2017 15:00.