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Schwache Verben

Die überwiegende Anzahl deutscher Verben flektiert schwach. Die Konjugation schwacher Verben ist in Bezug auf ihre Stammformen und die damit verbundene Tempus-/Modusflexion im Vergleich zu den anderen Flexionsklassen besonders regelmäßig. Sie bilden im Deutsche eine produktive Flexionsklasse, die durch neue Verben (z. B. Wortbildungsprodukte, die durch explizite Derivation oder Konversion entstanden sind) oder Flexionsklassenwechsel starker Verben erweiterbar ist.


KONTRASTIV: Schwache Verben im Norwegischen (Abschnitt ein-/ausblenden)

Auch im Norwegischen flektiert die überwiegende Anzahl von Verben schwach. Schwache Verben stellen auch hier die produktive Flexionsklasse dar. Im Norwegischen zeichnen sich schwache Verben dadurch aus, dass sie das Präteritum durch Suffigierung bilden, d. h. durch Zufügung einer der Flexionsendungen (-et/a, -te, -de oder -dde), wodurch eine zweisilbige Präteritalform entsteht, z. B. reis-e, reis-te, im Unterschied zu den starken Verben, die einsilbige Präteritalformen haben, z. B. syng-e, sang. (Ein- bzw. Zweisilbigkeit bezieht sich hier auf das einsilbige Grundwort. Bei abgeleiteten oder zusammengesetzten Verben kann das Ausgangsverb ggf. aus mehr als einer Silbe bestehen, vgl. Norsk referansegrammatikk (1997: 479).) Der Stammvokal ändert sich im Präteritum und Partizip Perfekt meist nicht, es gibt jedoch einige schwache Verben mit Vokaländerung im Präteritum und Partizip Perfekt, z. B. selg-e, solg-te, solg-t. Dies entspricht den Verben mit gemischter Flexion im Deutschen.


Stammformen schwacher Verben

Bei schwachen Verben sind die Präsens- und Präteritalstammformen ohne primäre/sekundäre Varianten morphologisch ausdifferenziert.
Die Präteritalstammform wird aus der Präsensstammform durch Suffigierung von -te-, die Partizipialstammform durch Suffigierung von -t gebildet.

Das Vorhandensein eines dem t vorausgehenden Schwas (-ete, -et) ist hingegen phonologisch bedingt, d. h. von der lautlichen Beschaffenheit der Präsensstammform abhängig. Schwa wird an dieser Stelle gesetzt, wenn der Verbstamm (Präsensstammform) auf einen Dental (z. B. reden) oder einen Plosiv/Frikativ + Nasal (z. B. atmen) endet (siehe auch Tempusmarker).

lachen, reden
PräsensstammformPräteritalstammformPartizipialstammform
lach-, red-lachte-, redete--lacht, -redet


KONTRASTIV: Stammformen schwacher Verben im Norwegischen (Abschnitt ein-/ausblenden)

Im Norwegischen bleibt der Präsens- bzw. Infinitivstamm im Präteritum und Partizip Perfekt meist unverändert. Präteritum und Partizip Perfekt werden durch Suffixe gebildet.


Bildung der Flexionsformen

Die folgende Übersicht der finiten tempus- und modusbestimmten Formen schwacher Verben zeigt, dass nur für Präsens, Präteritum Indikativ und Konjunktiv I spezifische Formen vorliegen. Im Konjunktiv wird nur die 3. Person Singular durchgängig von der entsprechenden Indikativform unterschieden. Bei den meisten schwachen Verben gilt das auch für die 2. Person (Adressaten) im Singular und Plural. Bei Verben mit den lautlichen Voraussetzungen wie reden und atmen fallen diese Formen jedoch mit den entsprechenden Indikativformen zusammen.

Zur Bildung des Imperativs wird die Präsensstammform verwendet, an die -(e) (Sg.) oder -(e)t (Pl.) als Numerussuffix angehängt wird. Das Singularsuffix -(e) ist bei den meisten Verben fakultativ und wird insbesondere in der geprochenen Spache oft nicht gesetzt. Liegen hingegen die phonologischen Bedingungen wie bei reden/atmen vor (Dental oder Plosiv/Frikativ + Nasal), wird es in der Regel gesetzt: rede!, atme!. Auch bei Verben auf -er/-el steht zumeist -e im Imperativ, z. B. wandere!, samm(e)le!.

Das Partizip II schwacher Verben wird durch Affigierung von ge- an die Partizipialstammform (bzw. ge-...-(e)t an die Präsensstammform) gebildet, z. B. gesucht. Verben mit festem (Wortbildungs-)Präfix affigieren nur das Suffix -(e)t, z. B.: Er hat es versucht. Bei Verben mit abtrennbarem Präverb wird ge- wird zwischen Präverb und Verbstamm eingefügt, z. B. er wurde ausgesucht.

Der Infinitiv leitet sich aus der Präsensstammform ab, an die -en suffigiert wird, z. B. suchen. Bei Verben, deren Präsenstammformen auf -el/-er enden, wird der Infinitiv genau wie die finiten Verbformen im Plural mit Hilfe der schwalosen Variante -n gebildet, z. B. sammeln.


KONTRASTIV: Flexionsklassen schwacher Verben im Norwegischen (Abschnitt ein-/ausblenden)

Im Norwegischen werden entsprechend der Suffixe, mit denen das Präteritum gebildet wird, zwei Hauptklassen schwacher Verben unterschieden. Die erste Klasse bildet das Präteritum mit -et/-a, die zweite Klasse mit -te/-de/-dde. Abhängig von der Präteritumsendung und dem Suffix im Partizip Perfekt wird die zweite Hauptklasse in drei Subklassen unterteilt (vgl. Norsk referansegrammatikk 1997: 481). Die Unterscheidung der Subklassen in der zweiten Klasse ist größtenteils durch die phonologische Struktur des Verbes bestimmt. Beispiele:

1. Klasse
(gleiche Form im Präteritum und Partizip Perfekt)

InfinitivPräsensPräteritumPartizip Perfekt
-e-er-et/-a-et/-a
kaste (werfen)kasterkastet/kastakastet/kasta

2. Klasse
(unterschiedliche Formen im Präteritum und Partizip Perfekt)

InfinitivPräsensPräteritumPartizip Perfekt
-e, -0-(e)r-te, de, -dde-t, -d, -dd
a)reise (reisen)reiserreistereist
b)leve (leben)leverlevdelevd
c)ro (rudern)rorrodderodd


Gemischte (unregelmäßig schwache) Verben

Die Bezeichnung gemischte Verben verweist auf die besondere Stammformenbildung, die formale Mittel der beiden Hauptklassen vereint. Folgende Verben werden als unregelmäßige schwache bzw. als gemischte Verben bezeichnet:

brennen, bringen, denken, dünken (veraltet), kennen, nennen, rennen, senden, wenden

Stammformen gemischter Verben

Gemischte Verben bilden die Präteritalstammform durch Affigierung (wie schwache Verben), weisen aber zusätzlich auch einen Ablaut und teilweise einen Konsonantenwechsel auf (wie starke Verben). Gemischte Verben haben wie starke Verben zusätzlich eine sekundäre Präteritalstammform zur Bildung von Konjunktivformen (z. B. dächt(e)-):

kenne – kanntegekannt; denke – dachtegedacht

Bei gemischten Verben sind die Präsensstammformen ohne Varianten und Präteritalstammformen mit primären/sekundären Varianten morphologisch ausdifferenziert:
Die primäre Präteritalstammform wird mit a-Ablaut und durch Suffigierung von -te- gebildet. Die sekundäre Präteritalstammform weist einen Umlaut (a→e/ä) auf.
Die Partizipialstammform wird mit a-Ablaut und durch Suffigierung von -t gebildet.

denken
Präsensstammformprim. Präteritalstammformsek. PräteritalstammformPartizipialstammform
denk-dachte-dächte--dacht

Variation zwischen Formen gemischter Verben

Die gemischten Verben senden und wenden besitzen neben den gemischten auch schwache Stammformen:

senden – sandte/sendete – gesandt/gesendet, wenden – wandte/wendete – gewandt/gewendet.

Das veraltete Verb dünken besitzt neben den schwachen Formen dünkte – gedünkt auch die abgelauteten Formen deuchte – gedeucht.

Eine ausführlichere Betrachtung der Variation unter Berücksichtigung von Bedeutungsunterschieden zwischen den gemischten und den schwach konjugierten Varianten ist in folgenden Artikeln aus "Grammatik in Fragen und Antworten" nachzulesen:

Sendete/wendete oder sandte/wandte? — Variation in der Flexion und Bedeutungsunterschiede
Absatz 2 kann erst angewendet werden, wenn Absatz 1 angewandt worden ist — Variation in der Flexion

Bildung der Flexionsformen

Die finiten tempus- und modusbestimmten Formen gemischter Verben werden nach dem Vorbild von brennen (ebenso: kennen, nennen, rennen), denken (ebenso: bringen, mit Konsonantenwechsel zu ch) und senden (ebenso: wenden) konjugiert.

Der Imperativ wird wie bei den schwachen Verben gebildet, z. B. renn(e)/rennt; sende/sendet. Auch der Infinitiv ist regelmäßig aus der Präsensstammform ableitbar, z. B. bringen.

Zur Bildung des Partizip II affigieren gemischte Verben ge- an die Partizipialstammform, die durch Suffigierung von -t an die durch einen Ablaut gekennzeichnete (primäre) Präteritalstammform gebildet wird, z. B. gekannt. Für gemischt flektierende Verben mit Präfix/Präverb gelten dieselben Bedingungen wie bei den schwachen Verben, z. B.: verbrannt, abgebrannt.


KONTRASTIV: Entsprechung der gemischten Verben im Norwegischen (Abschnitt ein-/ausblenden)

Als Entsprechung der gemischten Verben im Deutschen können einige schwache Verben der Flexionsklasse 2.a) im Norwegischen angesehen werden: Sie weisen das Merkmal schwacher Verben im Norwegischen auf, zweisilbige Präteritalformen zu bilden, ändern aber – wie typische starke Verben – im Präteritum und Partizip Perfekt den Stammvokal (vgl. Norsk referansegrammatikk 1997: 484). Dies betrifft allerdings nur wenige der Verben der Flexionsklasse 2.a):

InfinitivPräsensPräteritumPartizip Perfekt
fortelle (erzählen)fortellerfortaltefortalt
følge (folgen)følgerfulgtefulgt
selge (verkaufen)selgersolgtesolgt
sette (setzen)settersattesatt
smøre (schmieren)smørersmurtesmurt
spørre (fragen)spørspurtespurt
velge (wählen)velgervalgtevalgt

Folgende Verben haben alternative Formen mit und ohne Vokalwechsel:

InfinitivPräsensPräteritumPartizip Perfekt
kvele (ersticken)kvelerkvalte/kveltekvalt/kvelt
telle (zählen)tellertalte/teltetalt/telt
strekke (strecken)strekkerstrakte/strektestrakt/strekt
(strekke kommt außerdem
als starkes Verb vor)


© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 29.04.2010 15:46.