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[Text im Vollbild]    [E-VALBU]

schicken

Aussprache: 'schicken
Stammformen:schickt - schickte - hat geschickt
Konjugationsmuster: schwach
Generelle Anmerkungen:

Nicht behandelt wird hier das Reflexivverb schicken, sich:
(1) Allgemein gültige Regeln für gutes Benehmen, die stereotyp anwendbar wären, "gibt es nicht mehr" in einer freiheitlichen Gesellschaft. Die 50er-Jahre seien vorbei, als noch Frauen wie "die Pappritz" den Bundesbürgern sagten, was sich schickt. (Braunschweiger Zeitung, 04.03.2009; Stilgefühl zählt)

  
1 schicken veranlassen, dass etwas irgendwohin befördert wird
2 schicken jemanden veranlassen, sich irgendwohin zu begeben
3 schicken in verfügen, dass jemand in etwas kommt
4 schicken nach jemanden beauftragen, etwas zu holen
5 schicken bewirken, dass etwas irgendwohin gelangt
6 schicken jemanden veranlassen, sich irgendwohin zu begeben, um etwas zu tun

1 schicken

Strukturbeispiel:jemand schickt etwas jemandem bzw. irgendwohin
Im Sinne von:jemand veranlasst, dass etwas zu jemandem bzw. irgendwohin befördert oder gebracht wird
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kdat v Kadv
Beispiele:
(2) Mama hatte mir das Nikolauspäckchen nach München geschickt.
(3) Berufstätige Postbenutzer sind geradezu gestraft, wenn ihnen jemand ein Päckchen schickt. (Stern, 02.07.1987, S. 86)
(4) [indirekte Charakterisierung] Der Rechtsanwalt schickte der Stadt eine Stellungnahme des damaligen psychiatrischen Gutachters. (Mannheimer Morgen, 13.11.1987, S. 26)
(5) Der Rhein-Neckar-Kreis schickt seinen Abfall zum größeren Teil bislang auf die Mülldeponie Heßheim. (nach Mannheimer Morgen, 25.09.1986, S. 17)
(6) Einen Tag später schickt Brandt einen Brief an Präsident Kennedy. (Mannheimer Morgen, 18.03.1986, S. 3)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kdat: NP im Dat/ProP im Dat/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

      in +Akk/nach +Dat/an +Akk/...: Zielort
(7) Zu Weihnachten wurden viele Pakete in die DDR geschickt.
(8) Pünktlich jeden Monat hat er Geld nach Hause geschickt. (Mannheimer Morgen, 02.09.1987, S. 30)
(9) Wer die Angaben dem Interviewer nicht persönlich geben will, kann die Fragebögen direkt an das Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Rathaus, schicken. (nach Mannheimer Morgen, 05.07.1985, S. 27)

     aus +Dat/...: Ausgangsort
(10) Im vergangenen Jahr habe man die Werbung aus Luxemburg geschickt. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.1990, S. 15)

Passivkonstruktionen: Werden-, selten Sein-Passiv

werden:
(11) Wie die Kreisverwaltung Bad Dürkheim erklärte, seien Proben des Getränks an die chemische Untersuchungsanstalt in Speyer geschickt worden. (Mannheimer Morgen, 24.09.1985, S. 11)
 
Bekommen-Passiv

(12) Das Chemieunternehmen in Basel hat nach eigenen Angaben bisher rund 350 Schadenersatzforderungen ins Haus geschickt bekommen. (Mannheimer Morgen, 18.02.1987, S. 2)
(13) Wer trotzdem unterschreibt, kriegt ein paar Seiten zur Probe geschickt. (Süddeutsche Zeitung, 07.07.1998, S. 14)
Anmerkungen:

Wenn mit dem Kakk auf einen Brief oder ein Paket Bezug genommen wird, können gelegentlich sowohl das Kdat als auch das Kadv weggelassen werden, wenn die Destination bekannt ist oder es sich um das Schicken von einer besonderen Art von Brief oder Paket handelt:
(14) Ich habe schon viele Eilbriefe geschickt.
(15) Ich habe den Brief als Einschreiben geschickt.

Mit einer PräpP [zu +Dat] kann auf den Zweck Bezug genommen werden:  
(16) Sowie die Fotos fertig sind, schicke ich sie euch zur Ansicht.

Mit einer als-Gruppe mit NP im Akk oder per +Akk kann auf die postalische Form der Beförderung Bezug genommen werden:  
(17) Ein Pluspäckchen darf im Inland sogar bis zu 20 Kilogramm wiegen. Und kann mit maximal 2 Kilogramm auch ganz schnell per Luftpost ins Ausland geschickt werden. (Post, S. 26)

schicken  wird häufig in Verbindung mit lassen verwendet:  
(18) Die Post lässt man an eine andere Adresse schicken. (die tageszeitung, 21.01.1995, S.11)

2 schicken

Strukturbeispiel:jemand schickt jemanden/etwas jemandem bzw. irgendwohin
Im Sinne von:jemand veranlasst jemanden/etwas, sich zu jemandem bzw. irgendwohin zu begeben
Satzbauplan:Ksub , Kakk , (Kdat / Kadv)
Beispiele:
(19) Ich schicke Ihnen eine Patientin, bei der ich den Verdacht auf eine Hautallergie habe.
(20) Man hat mich zu Ihnen geschickt.
(21) Die Regierung der jungen chinesischen Republik von 1912 schickte Studenten nach Japan, weil es dort bessere Ausbildungsmöglichkeiten gab. (Zeit, 21.03.1986, S. 11)
(22) Die Eltern wollen ihre Kinder nicht in einen Unterricht schicken, der in eine bestimmte Richtung geht. (die tageszeitung, 25.04.2000, S. 19)
(23) Der Minister hat einen Stellvertreter zur Eröffnung der Ausstellung geschickt.
(24) Wer hat Sie geschickt?
(25) Nachbarn hatten fünf Minuten vor dem Anruf des Täters die Polizei über Lärm und Streitigkeiten in der Nachbarwohnung informiert. "Wir können aber nicht bei jedem Familienstreit sofort einen Wagen schicken", sagte Melcher. (Mannheimer Morgen, 26.03.2002)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kdat: NP im Dat/ProP im Dat/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

      (von +Dat)auf +Akk/nach +Dat/in +Akk/zu +Dat/...: (Ausgangsort) Zielort
(26) Hanisch wurde von einem Krankenhaus ins nächste geschickt. (Hamburger Morgenpost, 18.07.2006, S. 13) 
(27) Heute Morgen hat Wolfgang Braun sieben Mitarbeiter auf eine Baustelle geschickt. (Mannheimer Morgen, 04.03.1988, S. 41)
(28) Nach Abschluss des Studiums will er sich ein Unternehmen suchen, das ihn für einige Jahre nach Asien schickt. (VDI Nachrichten, 24.03.2006, S. 23)
(29) Darüber, ob SozialarbeiterInnen in die Familien geschickt werden, entscheidet eine Erziehungskonferenz. (die tageszeitung, 26.10.1999, S. 22)
(30) Sie schickte den Jungen zum Bäcker, um Brötchen zu holen.

      über +Akk: Richtung
(31) Man wird, ohne einen einzigen Soldaten über die Grenze schicken zu müssen, durch technische Operationen vom Heimatboden aus seinen Kriegsgegner tödlich treffen können. (Jaspers, S. 82)

Passivkonstruktionen: Werden-, Sein-Passiv

werden: 
(32) Er gehört zu jener Generation, die von der Schulbank weg in Uniformen gesteckt und an die Front geschickt wurde. (Nürnberger Nachrichten, 21.05.2009, S. 14;)
sein:
(33) Von wem sind Sie geschickt?
Bekommen-Passiv

(34) Sie führt den Eingriff seit Jahren durch und bekommt auch von Pro Familia Berlin Patientinnen geschickt. (die tageszeitung, 30.03.1998, S. 3)
(35) Schwerbeschädigte kriegen von der Sozialhilfestation eine Haushaltshilfe geschickt.
Anmerkungen:

Wenn mit dem Kadv der Zielort spezifiziert wird, kann schicken  i.S.v. ‘deportieren auf/nach’ verwendet werden:  
(36) Inseln sind Fluchtorte und Verbannungsorte, auf Inseln schickt man Sträflinge. (Zeit, 07.06.1985, S. 46)
(37) Es gibt in seiner Vergangenheit eine kriminelle Sache, für die er mit größter Wahrscheinlichkeit nach Sibirien geschickt worden wäre. (nach Th. Mann, Reden, S. 661)

Mit einer PräpP [für +Akk/zu +Dat] kann auf den Zweck Bezug genommen werden, zu dem jemand irgendwohin geschickt wird:
(38) Während der chinesischen Kulturrevolution wurden diejenigen, die „den kapitalistischen Weg“ gingen, zur Umerziehung aufs Land geschickt. (Zeit, 23.08.1985, S. 2)

schicken  wird häufig in Verbindung mit dem Verb lassen verwendet:
(39) Für dieses übergeordnete Ziel lässt er sich nach London und Madrid schicken. (Berliner Zeitung, 02.12.1998, S. 2)

3 schicken in

Strukturbeispiel:jemand schickt jemanden in etwas
Im Sinne von:jemand verfügt, dass jemand in etwas kommt
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kprp
Beispiele:
(40) Er schickte Krenz in Urlaub und übergab Mittag die Amtsgeschäfte. (die tageszeitung, 31.01.1990, S. 4)
(41) Da sich die Bundesrepublik den Luxus der niedrigsten Geburtenrate auf der Welt leiste, könne man nicht gleichzeitig den Arbeitnehmer mit 58 Jahren in den Vorruhestand schicken. (Mannheimer Morgen, 07.11.1987, S. 1)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kprp: in +Akk
(42) Leutnant Gäseler schickte den Dichter Rai in den Tod. (nach Lenz, Personal, S. 311)  

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(43) Einmal muss Häftling Adam Stein im Lager Geige spielen, während seine Familie in den Tod geschickt wird. (Rhein-Zeitung, 19.02.2009; Das Leben nach der Hölle des Holocausts)

4 schicken nach

Strukturbeispiel: [geh] jemand schickt jemanden nach jemandem/etwas
Im Sinne von: jemand beauftragt jemanden, jemanden/etwas zu holen
Satzbauplan:Ksub , (Kakk) , Kprp
Beispiele:
(44) Johann Buddenbrook dankte für alle die freundlichen Worte und schickte Thomas nach einer dritten Flasche Wein. (nach Th. Mann, Buddenbrooks, S. 34)
(45) Man schickte den Soldat nach neuen Befehlen.
(46) An einem Mittwoch legte sich Adam Arbatzki ins Bett, an einem Donnerstag schickte er nach dem Arzt. (Lenz, Suleyken, S. 207)
(47) Gegen sieben Uhr schickte der Großherzog nach seinem Wagen. (Th. Mann, Hoheit, S. 154)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kprp: nach +Dat
(48) Das macht, so rechnete auf der Pressekonferenz flugs ein fixer Junge unter den Journalisten aus, grad 20.000 Mark Investition pro Arbeitsplatz, eigentlich ein bisschen wenig, nicht? Einer wurde nach neuen Zahlen geschickt, kam wieder, und da waren's dann schon stattliche 217 Mill. im gedachten senatörlichen Sparstrumpf. (die tageszeitung, 02.11.1988, S. 18)

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(49) Der Mann wird nach Pommes frites geschickt. (Berliner Zeitung, 28.07.200, S. 3)
(50) Dem Kind ging es sehr schlecht und es wurde nach dem Vater geschickt.
Anmerkungen:

Das Kakk wird selten realisiert.

5 schicken

Strukturbeispiel:jemand/etwas schickt etwas irgendwohin
Im Sinne von:etwas bewirkt, dass etwas irgendwohin gelangt
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kadv
Beispiele:
(51) Das Kraftwerk schickt ständig Rauchwolken über den Rhein.  
(52) Man konnte beobachten, wie vier Flak-Batterien ihre Granaten in den Himmel schickten. (nach Zeit, 18.04.1986, S. 3)
(53) Und zwischen den Anrufen schickte er manchen Blick zum Himmel über dem Gendarmenmarkt.(Berliner Zeitung, 02.07.1999, S. 22)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     auf +Akk/in +Akk/...: Zielort
(54) Die Europa-Rakete „Ariane“ hat bei ihrem 13. Start in der Nacht zum Mittwoch zwei Satelliten auf ihre Umlaufbahn geschickt. (Mannheimer Morgen, 09.05.1985, S. 30)
(55) Während die nahe gelegenen Fabriken ihren giftigen Rauch in den Himmel über North Richmond schicken, leben die Einwohner in heruntergekommenen Häusern und überleben mit Tätigkeiten in der Schattenwirtschaft. (die tageszeitung, 13.02.1998, S. 20-21, Beilage Le Monde diplomatique)
(56) Die Vulkane, meist friedlich, mit einem rotglühenden Zyklopenauge auf dem Kratergrund, werden rebellisch: Santiago, San Cristóbal und Cerro Negro schicken giftige Schwefeldämpfe über das Land, verätzen die Saaten. (Die Zeit, 13.11.1998; S. 92)
(57) Wundern würde es einen nicht, wenn beide, George Carey und Elizabeth II., ein Gebet gen Himmel schicken und um einen englischen Sieg bitten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der Bischof ist Fußballfan, die Queen hingegen findet Fußball bekanntermaßen langweilig, dürfte aber auch die Stimmung ihrer Untertanen im Blick haben. (Berliner Zeitung, 01.06.2002, S. 10):

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(58) Rauch und Abgase werden in den Himmel über der Stadt geschickt.

6 schicken

Strukturbeispiel:jemand schickt jemanden irgendwohin etwas tun
Im Sinne von:jemand veranlasst jemanden, sich irgendwohin zu begeben, um etwas zu tun
Satzbauplan:Ksub , Kakk , (Kadv) , Kvrb
Beispiele:
(59) Thomas ist nicht zu Hause. Ich habe ihn vor einer Viertelstunde zum Supermarkt Wurst und Käse einkaufen geschickt.
(60) Keiner darf besser sein als er; sonst tobt er und schickt den Diener mitten in der Nacht heiße Milch holen. (die tageszeitung, 05.05.2006, S. 17)
(61) Er schickt sie die Beweise holen. (nach Die Zeit, 21.02.1997, S. 2)
(62) Wie üblich hatte ihn die Mutter geschickt, Wasser zu holen. (Berliner Zeitung, 14.02.1998, S. II)
(63) Mein Bruder hat mich ein Rohr kaufen geschickt. (Frankfurter Rundschau, 25.11.1999, S. 1)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     in +Akk/nach +Dat/zu +Dat/...: Zielort
(64) Der Sohn wurde in die USA studieren geschickt.
(65) Vater schickte ihn nach Hause sich für das Fest umziehen.
(66) Die Mutter schickte sie zur Apotheke Medikamente holen.

Kvrb:

      Inf-S mit zu:
(67) Plötzlich aber kommt das Auto von der Straße ab und der auf den ersten Blick nicht besonders schwer verletzte Vater schickt den älteren Sohn, Hilfe zu holen. (die tageszeitung, 06.03.2008, S. 24)

      Inf-S ohne zu:
(68) Warum schickst du mich immer den Mülleimer leeren?

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(69) Schließlich vergnügt sich die ganze Gesellschaft im Wohnzimmer, während die Kinder schlafen geschickt werden. (die tageszeitung, 25.11.1994, S. 28)
Anmerkungen:

Häufig kommen Ergänzungen des Verbs vor, durch das das Kvrb belegt ist:
(70) Wir waren froh, wenn Maria, Gattin des Chefs, uns Kaffee holen schickte in die Kantine. (Berliner Zeitung, 04.08.2000, S. 15)

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 21.08.2012 15:28.