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[Text im Vollbild]

miss- (missachten)

Art des Affixes: Präfix
Aussprache: missachten
Herkunft: ahd. missa- 'das Verkehrte', z.B. mísse-búri.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Verb
Mögliche Basen: Verben.
Beispiele: missachten, missfallen, missglücken, misshandeln, missinterpretieren, misslingen, missraten, misstrauen, missverstehen.

Die meisten Eltern wissen, was gut für ihre Kinder ist. Kommen sie mit ihrem Nachwuchs an eine Ampel, bleiben sie bei Rot stehen(…). Zu Hause sagen sie immer wieder: Fernsehen ist schlecht. (…). Kaum ist das Kind für ein paar Stunden weg – wahrscheinlich, um rote Ampeln zu missachten, bei McDonalds Mittag zu essen und anschließend bei einem Freund ganz viel fernzusehen – sitzen die Eltern erleichtert auf der Couch, zücken die Fernbedienung und greifen zur Chipstüte.
(Die Rheinpfalz, 21.03.2009)

Die Banken misstrauen sich untereinander und verleihen deshalb kein Geld mehr, der Bundesfinanzminister fühlt sich – (…) – von den Banken hinters Licht geführt. Und der Bürger? Er sieht dem Drama ohnmächtig zu und versteht die Welt nicht mehr.
(Die Rheinpfalz, 06.10.2008)

Produktivität: dass man die Goethe-Zeilen "Bist, ach [...]" problemlos für Heine-Zeilen miss-lesen könnte (ZEIT 29.11.1996: 54); so lange moderne Gesellschaften die 'neue Unübersichtlichkeit' und den 'Orientierungsdschungel' kokett als die Bedingungen einer kollektiven Schnitzeljagd missbeschreiben (ZEIT 4.7.1997: 15).
Bedeutung: Das Präfix dient der Negation und Relation. Es wird zum einen ein Nichtun ausgedrückt: Wer einen weisen Rat missachtet, achtet ihn nicht. Zum anderen wird ein falsches Tun ausgedrückt: Wer einen weisen Rat missdeutet, deutet ihn falsch.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: ver-, z.B. verrechnen.
Spezialliteratur: Altmann, Hans (1997)

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 18.01.2012 14:23.