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[Text im Vollbild]

-ling (Schönling)

Art des Affixes: Suffix
Aussprache: Jüngling
Herkunft: Das Suffix ist aus Derivaten auf -ing entstanden, deren Basis auf -l auslautete, z.B. ahd. edili zu ediling. Das ursprüngliche Suffix -ing verschwand und trat erst durch Entlehnung aus dem Englischen wieder auf.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Nomen
Genusfestlegung: Maskulinum.
Mögliche Basen: Adjektive.
Beispiele: Finsterling, Frechling, Jüngling, Naivling, Neuling, Primitivling, Robustling, Rohling, Schönling, Schwächling, Wüstling.

Seit im Jahr 1904 in der Nähe von Hoyerswerda angeblich der letzte Wolf geschossen worden war, galt der vierbeinige Finsterling aus dem Märchenbuch in Deutschland als ausgestorben.
(Nürnberger Zeitung, 26.09.2007)

Wörter rein ins Internet, Wörter raus aus dem Internet! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser oder ein anderer Jüngling an der Servicetheke auftaucht und so etwas sagt wie „Ich hab’ da ein Prob’ mit dem Receiver“. Und der Verkäufer wird argwöhnisch fragen: „Sie haben wohl nicht gecheckt, das Prog zu hacken?“
(Nürnberger Zeitung, 26.01.2009)

In den 80er Jahren war Rourke – an der Seite von Kim Basinger – der neue Brando, der Schönling aus „9 ½ Wochen“, dem Erfolgsfilm von Adrien Lyne: ein gestylter Erotikfilm, wie er damals gefragt war. Mit Mitte 50 hat Rourke ein vernarbtes und aufgedunsenes Gesicht, das Ergebnis brutaler und schmerzhafter Boxkämpfe sowie fehlgeschlagener Schönheits-Operationen.
(Nürnberger Zeitung, 27.02.2009)

Produktivität: die Spätlinge (Fontane 1887: 94), Fettling (KEUN: 34), Suggestivlinge wie Poeten, Tyrannen und Technikfetischistinnen (HOLBEIN: 148), einen dieser pisswarmen Trüblinge namens Hefeweizen (ZEITmagazin 29/1997: 6), Perversling (Allegra 6/1998: 200).
Morphologische Besonderheiten: Suffixe wie -ling gelten als "umlauterzwingende Suffixe" (Baeskow 2002, S. 80), z.B. Dümmling, Blässling, Jüngling, Schwächling, Zärtling.
Überwiegend werden als Basen einheimische Einsilber, keine Derivate verwendet (z.B. * Scheußlichling). Vgl. aber lehnwortgebildete Adjektivbasen wie in Suggestivling.
Bedeutung: Das Suffix bezeichnet eine Person oder Sache, die durch die in der Basis genannte Eigenschaft semantisch näher bestimmt wird: Ein Schönling ist eine Person, die schön ist; ein Trübling ist ein Bier, das trübe ist; ein Rohling ist z.B. ein Manuskript in seiner rohen Erstfassung oder ein noch nicht bearbeitetes Werkstück.
Stilistische Markierung: Die Derivate sind in der Regel auch dann negativ konnotiert, wenn die Basis positiv ist, z.B. Schönling.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: -ant, z.B. Obskurant.
-bold, z.B. Trunkenbold.
-chen, z.B. Sensibelchen.
-erich, z.B. Robusterich.
-i, z.B. Blondi, Sponti.
-in, z.B. Oberin.
-ine, z.B. Blondine.
-issimus, z.B. Normalissimus.
-ist, z.B. Fundamentalist.
-nik, z.B. Kaputtnik.
-o, z.B. Realo.
-ski, z.B. Radikalinski.

Weiterführender Text:

  - Determiniertes Wortbildungsaffix

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 07.09.2011 13:00.