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-ling (Dichterling)

Art des Affixes: Suffix
Aussprache: Dichterling
Herkunft: Das Suffix ist aus Derivaten auf -ing entstanden, deren Basis auf -l auslautete, z.B. ahd. edili zu ediling. Das ursprüngliche Suffix -ing verschwand und trat erst durch Entlehnung aus dem Englischen wieder auf.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Nomen
Genusfestlegung: Maskulinum.
Mögliche Basen: Nomina, in der Regel einheimische, häufig Personenbezeichnungen.
Beispiele: Däumling, Dichterling, Erdling, Fäustling, Günstling, Höfling, Lüstling, Schreiberling.

Denn ohne den Wurm sähe es da trübe aus, wie wir spätestens seit Charles Darwin wissen: Der unscheinbare Erdling sorgt mit seinen Ausscheidungen für Humus und trägt durch rege Tunnelbautätigkeit maßgeblich zur Auflockerung und Belüftung des Bodens bei.
(Rhein-Zeitung, 04.03.2009)

Einen anderen Günstling hätte Sarkozy angesichts der heftigen Polemik möglicherweise längst fallen lassen. Bei seinem eigenen Sohn geht das nicht, zumal dieser offensichtlich in Absprache mit Papa öffentlich verkündet hat, er werde dies nun bis zum Ende durchziehen.
(dpa, 16.10.2009)

Der Mond ist natürlich ein Romantiker, (…). Aber er ist auch ein kleiner Lüstling. Er schielt über Sträucher und Hecken, wo sich im diffusen Halbschatten Liebespaare necken. Er linst in Gemächer des Ehebruchs, er glotzt in trübe Gassen, bevölkert von zwielichtigen Gestalten und lichtscheuen Damen.
(Braunschweiger Zeitung, 07.03.2009)

Produktivität: Die paar Arroganzlinge, die darüber lächeln, steckt er locker weg (Amica 5/1996: 67); Was da links so schön funzelt, sind auf modern frisierte Bungalow-Außenlampen. Um die Quadratlinge in bunte Leuchtobjekte fürs Wohnzimmer zu verwandeln, braucht man [...] (Allegra 6/1998: 151).
Bedeutung: Ist die Basis eine Personenbezeichnung (z.B. Dichter, Schreiber), diminuiert das Suffix. Bei der Diminution geht es um Verkleinerung und Affektivität. Es soll ausgedrückt werden, dass etwas nicht so groß wie erwartet ist. Verbunden mit diesem Ausdruck ist bei Derivaten mit -ling offenbar meist eine negative Wertung, ein gehässiges Runtermachen: Ein Dichterling ist ein Dichter, den man anzweifelt.
Ist die Basis keine Personenbezeichnung, bezeichnet das Suffix eine Person oder Sache, die durch das von der Basis Bezeichnete semantisch näher bestimmt wird: Ein Erdling ist eine Person, die auf der Erde lebt; ein Fäustling ist ein Handschuh für die Faust.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: -el, z.B. Büschel.
-ette, z.B. Zigarette.
-i, z.B. Hundi.
-lein, z.B. Kindlein.
-ling, z.B. Dichterling.
mikro-, z.B. Mikrokamera.
mini-, z.B. Minibuch.

-and, z.B. Doktorand.
-ant, z.B. Fabrikant.
-ar, z.B. Bibliothekar.
-är, z.B. Legionär, Volontär.
-ast, z.B. Gymnasiast.
-at, z.B. Soldat.
-bold, z.B. Witzbold.
-er, z.B. Akademiker, Fußballer.
-erich, z.B. Reklamerich.
-ette, z.B. Chansonette.
-eur, z.B. Requisiteur.
-i, z.B. Hirni.
-ier, z.B. Finanzier.
-ikus, z.B. Akademikus, Luftikus.
-issimo, z.B. Sportissimo.
-issimus, z.B. Gitarrissimus.
-ist, z.B. Karikaturist, Anarchist.
-ling, z.B. Lüstling.
-nik, z.B. Politnik.
-o, z.B. Krawallo, Anarcho.
-rice, z.B. Redaktrice.

Weiterführender Text:

  - Explizite Nomenderivate

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 07.09.2011 12:40.