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[Text im Vollbild]

-lein (Kindlein)

Art des Affixes: Suffix
Aussprache: Kindlein
Herkunft: mhd. -lîn, z.B. junkerlîn.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Nomen
Genusfestlegung: Neutrum.
Mögliche Basen: Nomina, in der Regel einheimische Konkreta, aber auch Abstrakta.
Beispiele: Bahnhöflein, Büchlein, Englein, Kindlein, Stündlein.

Ohne Zweifel wird "man" auch in Chur hinsehen und fragende Blicke auf das schmuck renovierte alte "Bahnhöflein" werfen. Nur die Aussagen werden etwas anders lauten als erwartet: Zum Beispiel: Warum - um alles in der Welt - bauen die Churer ihren Bahnhof nicht zu Ende?
(Die Südostschweiz, 19.01.2007)

Hat für einfache Tintenstrahldrucker bald das letzte Stündlein geschlagen? Das könnte fast sein. Denn Multifunktionsgeräte, die drucken, kopieren, scannen, faxen können, lösen die Einzelkämpfer ab.
(Die Rheinpfalz, 16.04.2008)

Produktivität: mit einem launigen Glösslein über törichte Städter (ZEIT 11.10.1985: 61), Nur bleiernes Schweigen [...] Kein Aufschreilein nirgends (ZEIT 22.8.1997: 41).
Morphologische Besonderheiten: Bei Basen auf -l (z.B. Ball, Fell, Kerl, Spiel) wird -lein in der Regel vermieden. Bei Basen auf -el dagegen bietet sich die Derivation mit -lein offenbar an, Endung der Basis und Anlaut des Suffixes verschmelzen miteinander, z.B. Engelein. Häufig wird dabei synkopiert: Englein, Näglein, Schnäblein, Spieglein, Vöglein.
Bei auf -e auslautenden Basen (z.B. Gasse) verschmilzt der Endlaut der Basis mit dem Anlaut des Suffixes, z.B. Gässlein, Zünglein. Suffixe wie -lein gelten als "umlauterzwingende Suffixe" (Baeskow 2002, S. 80), z.B. Gässlein, Hütlein, Öhrlein.
Bedeutung: Das Suffix dient der Diminution. Bei der Diminution geht es um Verkleinerung und Affektivität. Es soll ausgedrückt werden, dass etwas nicht so groß wie erwartet ist. Verbunden mit diesem Ausdruck ist offenbar meist eine positive oder negative Wertung, ein verniedlichendes, liebevolles Kleinmachen oder ein gehässiges Runtermachen: Ein Kindlein ist ein kleines, besonders niedliches, besonders geliebtes Kind; dieses merkwürdige Büchlein ist ein zweitrangiges verachtetes Buch.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: -chen, z.B. Kindchen.
-el, z.B. Büschel.
-ette, z.B. Zigarette.
-i, z.B. Hundi.
-ling, z.B. Dichterling.
mikro-, z.B. Mikrokamera.
mini-, z.B. Minibuch.
Spezialliteratur: Donalies, Elke (2001); Würstle, Regine (1992)

Weiterführender Text:

  - Explizite Nomenderivate

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 18.01.2012 14:20.