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lügen

Aussprache: 'lügen
Stammformen: lügt - log - hat gelogen
Konjugationsmuster: stark
Generelle Anmerkungen:

Gelegentlich wird lügen in negierten Sätzen verwendet, um auszudrücken, dass aus bestimmten Gefühlsäußerungen oder natürlichen Gegebenheiten richtige Schlussfolgerungen abgeleitet werden können:
(1) Tränen lügen nicht.
(2) Die Sterne lügen nicht.

  
1 lügen bewusst die Unwahrheit sagen
2 lügen etwas Unwahres sagen

1 lügen

Strukturbeispiel:jemand lügt
Im Sinne von:jemand sagt bewusst die Unwahrheit
Satzbauplan:Ksub
Beispiele:
(3) Sie wird sofort rot, wenn sie lügt.
(4) Unsere Regierung lügt nur selten, das hofft jedenfalls die Bevölkerung.
(5) [indirekte Charakterisierung] Bei ihr habe ich gedacht: Können diese Augen lügen? (Braunschweiger Zeitung, 13.05.2009; "Ich fühle mich vergesäßifiziert")
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(6) Vor Gericht darf nicht gelogen werden, besonders wenn man unter Eid aussagt.
Anmerkungen:

Mit einem wenn-Satz oder als-Satz kann auf die Äußerung, die als unwahr empfunden wird, Bezug genommen werden:
(7) Hackethal lügt, wenn er behauptet, er hätte 80 Krebsheilungen binnen weniger Monate erzielt. (Stern, 05.11.1987, S. 84)
(8) Sie hat wohl auch gelogen, als sie mir sagte, dass Martha nicht ohne Lebensgefahr operiert werden kann? (nach Uhl, S. 57)

Häufig wird mit einer PräpP [über +Akk] auf das Thema der Lüge Bezug genommen:
(9) Er hatte weder über seinen Beruf noch über sein Geburtsdatum gelogen, betonten die Verteidiger. (Hannoversche Allgemeine, 10.03.2009, S. 8)

Die Intensität des Lügens kann durch Ausdrücke wie [ugs] lügen, dass sich die Balken biegen; [ugs] das Blaue vom Himmel lügen; [ugs] lügen wie gedruckt i.S.v. 'hemmungslos, unverschämt lügen' charakterisiert werden.

2 lügen

Strukturbeispiel:jemand lügt etwas
Im Sinne von:jemand sagt bewusst etwas Unwahres oder behauptet wissentlich etwas Falsches
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(10) Das kann nicht stimmen. Du hast das gelogen!
(11) Das Finanzministerium hat gelogen, es gäbe im nächsten Jahr eine Steuersenkung.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk:

      nur ProP im Akk [meist indefinit]
(12) Schon Platon hat gesagt: Vieles lügen die Dichter. (Bollnow, S. 201)
(13) Aus dem Lügen entsteht der Zustand, dass der Lügende schließlich glaubt, was er lügt, dass dann Wahrheit und Lüge ihren Unterschied verlieren. (Jaspers, S. 161)

      SKakk ohne Korrelat:

          dass-S:
(14) Er log, dass er nicht mitkommen kann, weil er noch arbeiten muss.

          HS:
(15) Sie hat gelogen, sie sei nicht zu Hause gewesen.

          Dirr-S:
(16) "Machen sich deine Eltern denn keine Sorgen, dass du die Nacht über nicht zu Hause warst?" "Nein, ich übernachte schon mal bei einer Freundin", log sie. (nach Torwegge, S. 31)
(17) Der Junge hatte ein kleines Radio gestohlen. Zu Hause log er: "Ich habe das Radio von einem Freund geschenkt bekommen."

Passivkonstruktionen: Werden-, Sein-Passiv

werden:
(18) "Was jetzt so gelogen wird", seufzt Mönninghoff. (Zeit, 06.06.1986, S.4)
sein:
(19) Das war falsch, weil es gelogen war und jeder mir sofort ansieht, wenn ich lüge. (Böll, Ansichten, S. 147)
Anmerkungen:

Das SKakk wird meist in Form der Dirr realisiert.

lügen wird häufig im Sein-Passiv verwendet:
(20) Sterben musste sie also nicht, in dem Punkt hatte die rothaarige Frau gelogen. Sollte das andere dann auch gelogen sein? (Stephan, S. 48)

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 27.06.2011 14:01.