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[Text im Vollbild]    [E-VALBU]

klopfen

Aussprache: 'klopfen
Stammformen: klopft - klopfte - hat geklopft
Konjugationsmuster: schwach
Generelle Anmerkungen:

klopfen wird auch in den Ausdrücken verwendet den Takt/den Rhythmus klopfen i.S.v. 'klopfend Geräusche machen, um den Takt/den Rhythmus zu bestimmen':
(1) Wer an der Musikschule Schüler werden will, muss einen Test bestehen: "etwas vorsingen, Rhythmus klopfen, Intervalle nachsingen." (nach Zeit, 13.09.1985, S. 69)
(2) Mit ihren Biergläsern klopften sie den Takt, als sie ihr "Sieg Heil" skandierten. (Zeit, 04.04.1986, S. 57)


und jemanden aus dem Bett/aus dem Schlaf klopfen i.S.v. 'so lange an jemandes Tür/Fenster klopfen, bis er aufsteht/aufwacht und aufmacht':
(3) Aufgeregt klopften die beiden Landwirte ihren Freund Hans aus dem Bett. (nach Bild, 14.04.1967, S. 3)

klopfen wird auch in dem Ausdruck verwendet den Teppich o.Ä. klopfen i.S.v. 'den Teppich o.Ä. sauber klopfen':
(4) An Tagen, da keine Teppiche geklopft wurden, turnten die Gören unseres Miethauses an der hölzernen Teppichklopfstange. (nach Grass, S. 323)

  
1 klopfen irgendwohin wiederholt schlagen
2 klopfen ein schlagendes Geräusch von sich geben
3 klopfenetwas durch Schläge bearbeiten
4 klopfen etwas durch wiederholtes Draufschlagen von irgendwo entfernen
5 klopfen etwas durch wiederholtes Draufschlagen irgendwohin drücken
6 klopfen durch wiederholtes Draufschlagen bewirken, dass etwas so wird

1 klopfen

Strukturbeispiel:jemand/etwas klopft mit etwas an etwas
Im Sinne von:jemand/etwas schlägt mit Hilfe von irgendetwas wiederholt leicht irgendwohin
Satzbauplan:Ksub , (Kadv) , (Kadv)
Beispiele:
(5) Der Vater der Braut klopft mit einem Messer gegen sein Glas, die Gäste schweigen, und er hält eine Rede.
(6) Da klopft jemand ans Fenster.
(7) Frau Albrecht klopft mit einem Stöckchen und sagt: "Guten Morgen, setzt euch bitte." (nach Zeit, 05.09.1986, S. 63)
(8) Jeden Morgen um 6 Uhr klopft der Specht. Warum muss dieser Vogel so früh wach sein!
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     an +Akk/auf +Akk/gegen +Akk: Zielort
(9) Meine Frau lebt seit Jahren in Angst, wenn das Telefon läutet oder jemand an die Tür klopft. (Zeit, 22.02.1985, S. 6)
(10) Jemand klopfte mir auf die Schulter, und ich drehte mich um.
(11) Der Chef geht ans Rednerpult, klopft gegen das Mikrofon und sagt: "Ein außergewöhnlicher Auftrag!" (nach Schädlich, S. 186)

Kadv: Mittel

     mit +Dat: Instrument
(12) Pater Wunibald wurde wütend, klopfte mit dem Finger aufs Pult und verbat sich eine "derartige Beleidigung". (nach Böll, Ansichten, S. 56)

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(13) Es wird nicht mehr geklopft, die Nachbarn schlafen schon!
Bekommen-Passiv

(14) Auf dem Treppchen zu stehen, von so vielen Menschen bejubelt zu werden und dann auch noch in der Nummernausgabe von Erik Zabel auf die Schultern geklopft zu bekommen - das vergesse ich mein Leben nicht. (Rhein-Zeitung, 21.08.2003; Idylle pur beim Dierdorfer Stadtlauf)
Anmerkungen:

Pertinenzdativ ist möglich:
(15) Ich war beauftragt, während der Vorstellung im Saal für Ruhe in meiner neuen Klasse sorgen und sagte "pssst", wenn jemand redete, klopfte ihnen sacht auf den Arm, wenn sie mit Füßen gegen die vor ihnen Sitzenden traten, oder ich schaute böse, wenn sie bei abgedunkeltem Licht plötzlich unter die Stühle krochen. (die tageszeitung, 13.05.2005, S. 14)

Gelegentlich wird statt mit dem Kadv mit einer statischen PräpP [an +Dat] auf den Ort, an dem geklopft wird, Bezug genommen:
(16) Er klopfte an der Tür, aber niemand machte auf.

Mit einer statischen PräpP [bei +Dat] kann auf die Person, an deren Tür o.Ä. geklopft wird, Bezug genommen werden:
(17) Es ist taktlos, während der Nachrichten bei Mitmenschen zu klingeln oder zu klopfen.

Gelegentlich wird statt mit dem Kadv mit einem Kakk auf den Körperteil, auf den geklopft wird Bezug genommen:
(18) Leider war das Gedränge so groß, daß man nicht alle VIPs fragen konnte, bei welchem Klub sie denn in den vergangenen Wochen und Monaten welche Schultern geklopft haben. (Neue Kronen-Zeitung, 12.04.1996, S. 42)

2 klopfen

Strukturbeispiel:etwas klopft
Im Sinne von:etwas pulsiert oder ist in Bewegung und gibt ein schlagendes Geräusch von sich
Satzbauplan:Ksub
Beispiele:
(19) Ihr Herz klopfte vom schnellen Laufen und vor Liebe und Sehnsucht. (Torwegge, S. 11)
(20) Der Motor klopft, ich glaube, der Wagen muss repariert werden.
(21) Der Alte ging nach oben, und man konnte hören, wie sein Stock klopfte, während er oben auf und ab ging.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Passivkonstruktionen: kein Passiv möglich

3 klopfen

Strukturbeispiel:jemand klopft etwas
Im Sinne von:jemand bearbeitet etwas durch Schläge
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(22) Der Metzger klopft das Schnitzel.
(23) Die Daltons haben im Gefängnis Steine geklopft.
(24) Doch seit dem Wintereinbruch stehen die gut 100-jährigen Nagelmaschinen still, an denen der rüstige Rentner zuletzt noch sporadisch so genannte Bezeichnungsnägel für Bahnschwellen und Telefonmasten geklopft hat. (Zürcher Tagesanzeiger, 07.01.2000, S. 18)
Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(25) Aus der Not entwickelten die Pergamener daher das Pergament: Es entstand aus Tierhäuten, die geklopft und getrocknet wurden. (Mannheimer Morgen, 14.04.2007; Warum heißt Papier Papier?)
sein:
(26) Sind die Eier geklopft? Dann kann ich das Omelett machen.

4 klopfen

Strukturbeispiel: jemand klopft etwas von irgendwo
Im Sinne von: jemand entfernt etwas durch wiederholtes Draufschlagen von irgendwo
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kadv
Beispiele:
(27) Wenn man vom Strand kommt, sollte man sich draußen den Sand aus den Kleidern und Schuhen klopfen.
(28) Jim stand auf und klopfte sich den Staub von Hose und fransenverziertem Wildlederhemd. (nach Pegg, S. 10)
(29) Wir klopften die Ameisen von der Zeltplane und brachen dann das Zelt ab.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     aus +Dat/von +Dat: Ausgangsort
(30) Wenn der Staub aus dem Teppich geklopft wird, muss ich immer niesen.
(31) Die großen Jungen ziehen ihren Lehrer aus der Glut und klopfen ihm die Funken von der Hose und vom Blauhemd. (nach Strittmatter, S. 254)

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(32) Symbolisch werden Tränen mit dem Ärmel des Kimono abgewischt oder mit einer unscheinbaren Fingergeste die Schneeflocken von dem traditionellen japanischen Gewand geklopft. (die tageszeitung, 29.09.1993, S. 12)
Anmerkungen:

Pertinenzdativ ist häufig:
(33) Sie klopfte sich den Staub vom Ärmel.

5 klopfen

Strukturbeispiel:jemand klopft etwas mit etwas irgendwohin
Im Sinne von:jemand drückt etwas durch wiederholtes Draufschlagen mittels irgendetwas irgendwohin
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kadv , (Kadv)
Beispiele:
(34) Mit einem Stock klopfte sie die Steine aus den Schuhsohlen.
(35) Er klopfte vorsichtig den Nagel in die Wand.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     in +Akk: Zielort
(36) Am Strand in Belgien klopfen die Menschen Stöcke, zwischen denen Stoffbahnen gespannt sind, in den Sand, um sich vor dem Wind zu schützen. An der deutschen Nordseeküste bevorzugt man Strandkörbe.

     aus +Dat: Ausgangsort
(37) Der Zapfen sitzt so fest, dass man ihn mit einem Hammer aus dem Brett klopfen muss.

Kadv: Instrument

      mit +Dat
(38) Sie versuchte, mit einem Stein den Nagel in die Wand zu klopfen.

Passivkonstruktionen: Werden-, Sein-Passiv

werden:
(39) Mit Stangen werden die reifen Oliven von den Ästen geklopft und dann von großen Tüchern aufgelesen. (die tageszeitung, 18.12.1999, S. 16-17)
sein:
(40) Die Stöcke sind in den Sand geklopft, der Windschutz steht, jetzt kann man sich genüsslich in die Sonne legen.

6 klopfen

Strukturbeispiel: jemand klopft etwas mit etwas so
Im Sinne von: jemand bewirkt durch wiederholtes Draufschlagen mittels irgendetwas, dass etwas so wird
Satzbauplan:Ksub , Kakk , (Kadv) , Kprd
Beispiele:
(41) Tante Emmi klopfte die Schnitzel mit einem Fleischklopfer weich.
(42) Immer noch klopfte der Alte krumme Nägel gerade. (nach Grass, S. 323)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kadv: Mittel

     mit +Dat
(43) Der Mann klopfte mit einem Hämmerchen die Silberkette flach.

Kprd: AdjP
(44) Diese Fleischstücke sind zu dick und müssen vor dem Braten noch flach geklopft werden.

Passivkonstruktionen: Werden-, Sein-Passiv

werden:
(45) Der so gebrochene Basalt wurde von Lehm und anderem Gestein getrennt und anschließend klein geklopft. (Rhein-Zeitung, 15.08.2002; Ein hartes Stück Arbeit auf der "Kappe Kaul")
sein:
(46) Jeder Ring ist einzeln platt geklopft und genietet. (Rhein-Zeitung, 30.08.2004; Graf Ranes zeigt die Unterhose)

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 17.05.2010 10:11.