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kennen

Aussprache: 'kennen
Stammformen: kennt - kannte - hat gekannt
Konjugationsmuster: stark
  
1 kennen von etwas Kenntnis haben
2 kennen Wissen über etwas haben
3 kennen mit jemandem persönlich bekannt sein
4 kennen über etwas verfügen
5 kennen als von etwas wissen, dass es ein solches/so ist

1 kennen

Strukturbeispiel:jemand kennt jemanden/etwas
Im Sinne von:jemand hat von etwas Kenntnis
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(1) Kennst du einen guten Frisör?
(2) Kennen Sie hier in der Nähe ein gemütliches Café?
(3) Niemand kannte die Ursache für den Verkehrsstau.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Passivkonstruktionen: Werden- selten, Sein-Passiv

sein:
(4) Zweitens zielte meine Frage auch keinesfalls auf "die Hintermänner" des Abkommens ab. Soweit es sich dabei um nationale und internationale Industrielobbyverbände (ICC, ERT, USCIB, WBCSD...) handelt, sind diese zur Genüge gekannt. (die tageszeitung, 05.05.1998, S. 14)
Anmerkungen:

kennen wird selten im Passiv verwendet. Das Werden-Passiv ist ungebräuchlich.

kennen wird häufig in einem Fragesatz, der eine Bitte um Auskunft enthält, verwendet:
(5) Kennst du einen guten Zahnarzt?
(6) Wer kennt ein gutes Rezept für Nudelsalat?
(7) Kennt jemand Namen und Alter der neuen Mitarbeiterin?
(8) "Wer kennt die Hauptstadt von Italien?" "Ich, sie heißt Rom."

2 kennen

Strukturbeispiel: jemand kennt jemanden/etwas
Im Sinne von: jemand hat durch Erfahrung, Studium o.Ä. Wissen über jemanden/etwas
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(9) Ich kenne mehrere Schriftsteller, die über ihr Exil in Frankreich geschrieben haben.
(10) Vielleicht werden spätere Generationen nur noch Bäume aus dem Museum kennen. (Mannheimer Morgen, 15.03.1988, S. 22)
(11) Ich kenne doch seine Theorien und weiß, woher er sie hat. (Böll, Ansichten, S. 184)
(12) Ich kannte ihre Vorwürfe und hatte sie satt. (Frisch, S. 37)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Passivkonstruktionen: Werden-, Sein-Passiv

werden:
(13) "Wir fordern, den Champagner durch einen Trunk zu ersetzen, der seit den Anfängen des polnischen Staates gekannt und geschätzt wird - Bier". (Salzburger Nachrichten, 25.06.1996; Verrück)
sein:
(14) Die Handlung des getanzten Traums von Cinderella dürfte einem breiten Fernsehpublikum auch durch den tschechischen Weihnachtsklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenputtel" gekannt sein. (Braunschweiger Zeitung, 26.03.2007; Märchenhafte Träume werden wahr)
Anmerkungen:

kennen wird selten im Passiv verwendet.

kennen wird häufig in den Ausdrücken verwendet: etwas auswendig kennen i.S.v. 'etwas aus dem Gedächtnis kennen'; jemanden/etwas in- und auswendig kennen i.S.v. 'jemanden/etwas sehr gründlich kennen'; etwas nur vom Hörensagen kennen i.S.v. 'etwas nur durch Erzählungen anderer, nicht aus eigener Erfahrung kennen'; [ugs] etwas wie seine Hosentasche/Westentasche kennen, i.S.v. 'sich sehr gut in etwas auskennen'.

3 kennen

Strukturbeispiel: jemand kennt jemanden
Im Sinne von: jemand ist mit jemandem persönlich bekannt
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(15) "Kennen Sie Herrn Müller?" "Ja, ich kenne ihn schon lange von unserer gemeinsamen Zeit im Sportverein."
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Passivkonstruktionen: Werden-, Sein-Passiv

werden:
(16) Man ist zu Hause, wo man gekannt wird oder, noch besser, erkannt wird. (die tageszeitung, 07.07.2007, S. 33-34)
sein:
(17) Nichts und niemand ist zu klein oder unbedeutend, um von GOTT gekannt zu sein. (Rhein-Zeitung, 24.12.1996; Gott ist "heruntergekommen")
Anmerkungen:

kennen wird selten im Passiv verwendet.

Mit kennen wird häufig auf ein reziprokes Verhältnis Bezug genommen. Das Ksub wird dann mit einer NP im Plural, einer Kollektivbezeichnung oder mehrere NPs und das Kakk mit einem reziproken Pronomen [sich/einander] belegt. Zur Verdeutlichung des reziproken Verhältnisses kann gegenseitig hinzugefügt werden:
(18) Anders als linke Terroristen sind die meisten rechten Gewalttäter nicht fest organisiert; im Fall Solingen haben sie sich vermutlich kaum gekannt. (Salzburger Nachrichten, 11.06.1993; Skinheads schwimmen in das Fahrwasser der Neonazis)
(19) Damals wären 106 Häuser dort gestanden, man habe einander geholfen und gekannt. (Mannheimer Morgen, 25.08.2006; Spätes Glück im Leben)
(20) In der Gruppe kannte man sich gegenseitig.

kennen wird in Ausdrücken verwendet, in denen die Art und Weise des Bekanntseins charakterisiert wird: jemanden (nur) vom Sehen kennen; jemanden (nicht) persönlich kennen.

4 kennen

Strukturbeispiel: jemand/etwas kennt etwas
Im Sinne von: jemand/etwas verfügt über etwas; haben
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(21) Die Etrusker kannten bereits Schriftzeichen.
(22) Notwendig sind strenge Grenzwerte, wie sie etwa die USA kennen. (Mannheimer Morgen, 18.07.1987, S. 2)
(23) Jean Gabin wollte Kisten voller Badois-Wasser nach Hollywood mitnehmen. "Hier kennen sie ja kein Mineralwasser", sagte Marlene Dietrich. (nach Knef, S. 232)
(24) Das Neue Testament kennt keine Theorie über den Gottesdienst. (Müller, S. 140)
(25) Wenn ein Land, das Jahrhunderte der Tyrannei gekannt hat, darangeht, erstmals frei seinen Führer zu wählen, dann sind politische Turbulenzen unausweichlich. (Die Presse, 11.05.1996; Pressestimmen)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Passivkonstruktionen: Passiv nicht üblich

5 kennen als

Strukturbeispiel: jemand kennt jemanden/etwas als einen solchen/ein solches/so
Im Sinne von: jemand weiß von jemandem/etwas, dass er/es ein solcher/solches/so ist
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kprd
Beispiele:
(26) Schließlich kenne ich dich als glückliche junge Frau und bin erstaunt, dich so verändert vorzufinden. (Jäger, S. 3)
(27) Ich kenne den Krieg als ein schreckliches Erlebnis.
(28) Gräben kennt man als lang gestreckte, funktionale Entwässerungssysteme. (Mannheimer Morgen, 19.11.1985, S. 25)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kprd: als +NP im Akk/+AdjP
(29) Mörike kannte er nur als Straßennamen. (Zeit, 21.92.1986, S. 53)
(30) Familie und Schüler kannten sie nur als missmutig, nervös, gereizt. (Zeit, 08.05.1987, S. 23)

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(31) Grönemeyer ist auch als Autor populärer Bücher gekannt geworden. ( VDI Nachrichten, 05.04.2007, S. 2)
Anmerkungen:

kennen wird selten im Passiv verwendet.

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 28.04.2010 10:30.