grammis 2.0

das grammatische informationssystem des instituts fur deutsche sprache (ids)
Korpusgrammatik Grammatik in
Fragen und Antworten
Systematische
Grammatik
Grammatische
Fachbegriffe
Grammatisches
Wörterbuch
Grammatische
Bibliografie
[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z] 
 

[Impressum] [Datenschutzerklarung]

                                                                           
[Text im Vollbild]

-ig (milchig)

Art des Affixes: Suffix
Aussprache: milchig
Herkunft: mhd. -ic, -ec, z.B. heilic, güetec.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Adjektiv
Mögliche Basen: Nomina, in der Regel einheimische.
Beispiele: blumig, cremig, dornig, felsig, freudig, fruchtig, geduldig, kitschig, schnauzbärtig, seidig, vorsichtig.

Man sieht den Baum vor lauter Kugeln nicht. Touristen bleiben vor der Farb-Orgie aus Türkis, Pink, Gold und Weihnachtsrot stehen. «Voll kitschig», murmelt eine Besucherin und kramt die Kamera hervor, um den sechs Meter hohen Baum zu fotografieren.
(dpa, 25.11.2009)

Noch sind sie roh, die Farbe changiert von Olivgrün bis Grau. Wie Erdnüsse sehen manche aus, andere wie Kürbiskerne, wie Erbsen. Und jede schmeckt, geröstet und aufgebrüht, anders: nussig bis blumig das Aroma, voll bis wässrig der Körper, elegant bis essigartig die Säure.
(Die Zeit, 30.04.2009)

Schließlich rückte ein Experte einer Firma namens "Stinktierflüsterer" an, um das Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien. Der Mann redete dem Tier gut zu, betäubte es leicht mit Chloroform und zog ihm dann vorsichtig den Kopf aus dem Glas. «Erdnussbutter ist unwiderstehlich für einen Skunk», sagte der Retter. Das Stinktier zeigte sich dankbar - und verschonte seinen Befreier vor einer Attacke mit seinem übelriechenden Abwehrstoff.
(dpa, 13.10.2009)

Produktivität: Bildungen mit entlehnter Basis wirken auffällig, sind aber relativ häufig, z.B. in um streetig auszusehn, reicht eigentlich der lokale Secondhand- oder Army-Store (Max 1996/5: 67), noisiges Gezerre und Gezische (TAZ 4.3.1996: 24), außerdem sind etabliert cremig, honorig, humorig, pomadig. Auffällig außerdem z.B. in ein glatziger Zwerg mit buschigen Augenbrauen (Broch: 193), die ebenso [...] patentantige wie schwiegertochtige [...] Alida Gundlach (Jokusch in Roth 1996: 108), die Wolken werden nach ihrer Schwere und Höhe rosenblättrig, [...] pflaumenhäutig (Koeppen: 135), Spannend wird es erst mit der lichterkettigen Liberalität, wenn auch in besser gestellten Vororten Türken im Hausflur grillen (Max 1996/4: 47), doch die Freundin fühlte sich grippig (Die Woche 2.10.1998: 41), ihre krampfadrigen Beine (Aehnlich: 51), Für geschmackige Kuchen sind die Sachsen bekannt (elle bistro 1998/3: 22), Der Nachmittag bei Klassik-Radio: Jetzt noch wunschiger (Hörbeleg Klassik-Radio 17.8.2001, 13.12 Uhr).
Morphologische Besonderheiten: Nomina, die auf -ig enden (z.B. Honig, Essig), werden offenbar nicht als Basis verwendet; hier gibt es eine "Tendenz zur Gleichlautvermeidung" (Plank 1981: 153 sowie Wurzel 1988: 184).
Bedeutung: Besonders präsent ist die partitive Lesart. Das Adjektivderivat drückt in Nominalphrasen wie ein bucklig Männlein aus, dass das vom attribuierten Nomen Bezeichnete (das Männlein) das von der Adjektivbasis Bezeichnete hat: Ein bucklig Männlein hat einen Buckel, ein glatziger Zwerg eine Glatze, ein geduldiger Kollege Geduld; ein anmutiger Tanz ist ein Tanz mit Anmut. So auch bei dornige Rosen, ihr knochiger Körper oder übertragen ein dorniger Weg. Häufig sind daneben Lesarten, die Identitäten herstellen: Ein schrottiger Alfa ist Schrott, ein gemüsiger Auflauf besteht (vor allem) aus Gemüse. Dazu auch Vergleiche: Milchiges Licht sieht aus, als bestünde es aus Milch. So auch rosenblättrige Wolken.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: -ant, z.B. charmant, tollerant.
-al, z.B. instrumental.
-är, z.B. disziplinär, prioritär.
-ell, z.B. strukturell.
-en, z.B. golden.
-ent, z.B. intelligent.
-ern, z.B. bleiern.
-haft, z.B. tumulthaft.
-isch, z.B. patriarchisch.
-iv, z.B. instinktiv, intensiv.
-isch, z.B. metallisch.
-lich, z.B. ängstlich.
-ös, z.B. medikamentös.
-sam, z.B. furchtsam.

Weiterführender Text:

  - Explizite Adjektivderivate

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 16.06.2011 11:32.