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[Text im Vollbild]    [E-VALBU]

glauben

Aussprache: 'glauben
Stammformen:glaubt - glaubte - hat geglaubt
Konjugationsmuster:schwach
Generelle Anmerkungen:

glauben wird auch als Kommunikationsverb verwendet i.S.v. 'glaubend sagen':
(1) "Die Eigenfinanzierung von Großanlagen liegt für uns noch in weiter Ferne", glaubt der DDR-Manager. (Frankfurter Rundschau, 16.03.1990. S. 10)

  
1 glaubenetwas für sehr wahrscheinlich halten
2 glauben davon überzeugt sein, dass jemand die Wahrheit spricht
3 glauben andavon überzeugt sein, dass etwas existiert
4 glaubendavon überzeugt sein, dass jemand jemanden überzeugend verkörpert
5 glaubendavon überzeugt sein, dass etwas ehrlich gemeint ist
6 glauben andavon überzeugt sein, dass jemand große Fähigkeiten besitzt
7 glauben andavon überzeugt sein, dass etwas eintreten wird

1 glauben

Strukturbeispiel:jemand glaubt etwas
Im Sinne von:jemand hält etwas für sehr wahrscheinlich; annehmen, überzeugt sein
Satzbauplan:Ksub , Kakk
Beispiele:
(2) Wer wird denn solchen Unsinn glauben!
(3) "Wahrscheinlich handelt es sich um einen Unfall." "Das glaube ich nicht."
(4) Die Polizei glaubt diese Geschichte.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk:

      NP im Akk/ProP im Akk/GWS

      SKakk mit fak. Korrelat es (stellungsbed.):

           dass-S:
(5) Die Meteorologen glauben, dass die erste Märzwoche mild wird. (Mannheimer Morgen, 23.02.1986, S. 16)
(6) Ich glaube, dass er Recht hat.
(7) Wer es immer noch nicht glaubt, dass man in Berlin an jeder Straßenecke einen tollen Promi treffen kann, der denke sich selbst was aus oder begebe sich einfach ins KaDeWe. (die tageszeitung, 05.02.2002, S. 28)

           Inf-S mit zu:
(8) Die Zeugin glaubt, am Tatort ein rotes Auto gesehen zu haben.

           HS:
(9) In Paris war er, glaube ich, nie. (Zeit, 30.08.1985, S. 36)

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(10) Lange Zeit wurde geglaubt, dass Rembrandt das Porträt gemalt hat.
Anmerkungen:

Das Kakk wird meist als SK realisiert.

Das Korrelat wird selten verwendet.

Gelegentlich wird das Kakk in Form eines elliptischen Satzes realisiert, der aus einer NP im Akk mit AdjP/AdvP/Part II/PräpP [in +Dat/...] besteht:
(11) Die Mutter glaubt den Jungen wieder völlig gesund, als er plötzlich über heftige Schmerzen klagt.
(12) Die Fans glaubten das Spiel schon verloren und verließen in Scharen das Stadion.
(13) Innen glaubt man sich bei dem neuen Toyota eher in einen Ferrari versetzt. (nach Mannheimer Morgen, 20.04.1985, S. 36)
(14) Anfangs hatte die Polizei den entflohenen Häftling im Ausland geglaubt.
(15) Die Flüchtlinge glaubten sich in Sicherheit, da schlugen plötzlich Granaten ein.

Mit einer PräpP [von +Dat] kann auf die Person oder Sache Bezug genommen werden, auf die sich der im SKakk ausgedrückte Sachverhalt bezieht:
(16) Sie glaubte von ihrem geschiedenen Mann, er sei längst wieder verheiratet.
(17) Bei einem Bauunternehmer fanden die Fahnder einen Brief, von dem sie glaubten, dass das Original an Antes adressiert war. (Zeit, 02.05.1986, S. 2)

2 glauben

Strukturbeispiel:jemand glaubt jemandem etwas
Im Sinne von:jemand ist davon überzeugt, dass etwas, das von jemandem geäußert wird, der Wahrheit entspricht oder ehrlich gemeint ist
Satzbauplan:Ksub , (Kakk) , Kdat
Beispiele:
(18) Die Wähler glauben den Politikern nicht mehr jede Wahlversprechung.
(19) Die Polizei glaubte dem Verdächtigten seine Geschichte nicht.
(20) Wer den Behörden glaubt, ist selber schuld. (Zeit, 03.05.1985, S. 57)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk:

      NP im Akk/ProP im Akk/GWS

      SKakk mit fak. Korrelat es (stellungsbed.):

          dass-S:
(21) Selbst Anhänger im rot-grünen Lager, die das Nein der Regierung zum Krieg richtig finden, glauben Ihnen nicht, dass es dabei nach der Wahl bleibt. (die tageszeitung, 19.09.2002, S. 3-4)
(22) Das wirkt fast wie aus dem großstädtischen Leben gegriffen, und wir glauben es den fleißigen Detektiven um Ingo Lenßen, bekannt als Verteidiger bei "Richter Alexander Hold", dass dies auch tatsächlich so ist. (die tageszeitung, 10.03.2003, S. 17)

          Inf-S mit zu:
(23) Ich würde (es) Ihnen ja gerne glauben, davon nichts gewusst zu haben, aber die Tatsachen sprechen leider dagegen.

          HS:
(24) Glauben Sie (es) mir doch, ich bin unschuldig!
(25) Ich mag nicht an einen Zufall glauben, dass grüne Fundamentalisten aus dem ganzen Bundesgebiet und Sozialdemokraten aus anderen Landesteilen 14 Tage vor einer Wahl erstmals in einer Ruhrgebietsstadt tagen und dann mit naivem Augenaufschlag von uns erwarten, dass wir ihnen glauben, dies habe keinen Bezug zu den nordrhein-westfälischen Ereignissen. (die tageszeitung, 22.09.1989, S. 4)

Kdat: NP im Dat/ProP im Dat/GWS

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(26) Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm diese Story geglaubt wird.
Anmerkungen:

Das SKakk in Form eines Inf-S kommt selten vor.

Wenn aus dem Kontext klar zu entnehmen ist, von welcher Person etwas geäußert wird, kann das Kdat weggelassen werden:
(27) Warum glaubst du nicht, was ich sage?

glauben wird häufig in der Wendung sie dürfen/können bzw. du darfst/ kannst mir glauben verwendet, um den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu bekräftigen:
(28) Sie dürfen mir glauben, dass ich heute Abend einer der glücklichsten Menschen bin. (nach NWZ, 08.09.1973, S. 13)

3 glauben an

Strukturbeispiel:jemand/etwas glaubt an jemanden/etwas
Im Sinne von:jemand/etwas ist auf der Grundlage einer Religion, Ideologie oder eines Glaubens davon überzeugt, dass jemand/etwas existiert
Satzbauplan:Ksub , Kprp
Beispiele:
(29) Als Kind glaubte ich an Hexen und Gespenster.
(30) Viele glauben an den Einfluss der Gestirne auf das menschliche Leben.
(31) [indirekte Charakterisierung] Die Christenheit glaubt an die Auferstehung, der Hinduismus an Seelenwanderung.
(32) Jede Kirche hat in ihren eigenen Reihen einige Menschen, die nicht auf die Kirche hören, sondern an Gott und Gottes Gesetze glauben. (Zeit, 01.08.1986, S. 34)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kprp:

     an +Akk:
(33) Glaubt dein kleiner Bruder immer noch so unerschütterlich an den Weihnachtsmann?

      SKprp mit fak. Korrelat daran:

          dass-S:
(34) Die Angehörigen des Stammes glauben (daran), dass ihre Opfergaben die Dämonen besänftigen können.

          Inf-S mit zu:
(35) Die katholischen Christen glauben (daran), durch das Bekenntnis der Schuld und das Sakrament der Buße die Vergebung ihrer Sünden zu erlangen.

           HS:
(36) Die Wallfahrer glauben fest (daran), die Berührung der Reliquie könne ihre Leiden heilen.

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(37) Im alten Ägypten wurde an den Sonnengott geglaubt.
Anmerkungen:

Wird das Kprp nicht realisiert, wird glauben i.S.v. 'eine religiöse Überzeugung haben' verwendet:
(38) Er glaubt schon lange nicht mehr.

4 glauben

Strukturbeispiel:jemand glaubt jemandem jemanden
Im Sinne von:jemand ist davon überzeugt, dass jemand die Rolle von jemandem/etwas überzeugend verkörpert
Satzbauplan:Ksub , Kakk , Kdat
Beispiele:
(39) Ich glaube ihm nicht den Künstler, der das Leben an eine Werkidee verriet, ich glaube ihm nicht den Mann, dem seine Schuld dämmert, ich glaube ihm überhaupt nichts außer der gelangweilten Gleichgültigkeit, mit der er Maja an sich abrutschen läßt. (Nürnberger Nachrichten, 16.12.1991, S. 32)
(40) Kaum jemand glaubt der Regierungspartei eine arbeitnehmerfreundliche Einstellung.
(41) [indirekte Charakterisierung] Niemand im Saal mochte dem behäbigen Tenor die leidenschaftliche Liebe glauben.
(42) Der Autor hat in seinem Artikel deutlich gemacht, dass er seinem Land keinen Rechtsstaat glaubt.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kakk: NP im Akk/ProP im Akk/GWS

Kdat: NP im Dat/ProP im Dat/GWS

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv

werden:
(43) Übermorgen hängen sie zu apotheotischen "Götterdämmerungs"-Klängen eine Friedenstaube aus Pappe ins Fenster und hoffen, dass ihnen die neuerwachte Friedfertigkeit geglaubt wird. (Nürnberger Nachrichten, 25.10.1993, S. 31)

5 glauben

Strukturbeispiel: jemand glaubt etwas
Im Sinne von: jemand ist davon überzeugt, dass etwas ehrlich gemeint ist
Satzbauplan:Ksub , Kdat
Beispiele:
(44) Das junge Mädchen hat den Schwüren und Zärtlichkeiten des Mannes geglaubt.
(45) Doch die Amtsrichter hätten die Aufnahmen als Beweismittel nicht zugelassen und statt dessen in einigen Fällen "den Halbwahrheiten und Phantasien" von Barbara R. geglaubt, die sich offenbar nicht damit abfinden habe können, dass die Beziehung zu ihm vorbei ist. (Nürnberger Nachrichten, 13.10.1993, S. 15)
(46) Offensichtlich glaubt die Kripo seiner Aussage nicht.
(47) Doch ihre ängstlichen Verbote und Verordnungen zeigen, dass sie ihren forschen Worten selbst nicht glauben. (Zeit, 15.02.1985, S. 2)
(48) Die Wähler, die den Wahlversprechungen der Politiker geglaubt hatten, sind enttäuscht.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kdat: NP im Dat/ProP im Dat/GWS

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(49) Als Junge mit Begeisterung dabei - den Idealen wird bedingungslos geglaubt, die Kameradschaft schweißt die Gruppen zusammen - merkt er nur langsam, je mehr Deutschland im "totalen Krieg" untergeht, was aus seinen Werten und dem Glauben an den Führer wird. (Rhein-Zeitung, 18.10.1997; aufrüttelnde akt)
Anmerkungen:

glauben wird selten im Passiv verwendet.

Das Kdat besteht meist aus einer NP im Dat mit einem Possessivpronomen oder einer NP im Dat und einem Genitivattribut, mit dem eine Person oder Institution als Urheber der betreffenden Äußerung bzw. Handlung charakterisiert wird.

6 glauben an

Strukturbeispiel: jemand glaubt an jemanden
Im Sinne von: jemand ist davon überzeugt, dass jemand große Fähigkeiten besitzt und Erfolg haben wird
Satzbauplan:Ksub , Kprp
Beispiele:
(50) "Wir haben immer an uns geglaubt und sind heute belohnt worden", war Dirk Hannappel nach dem Schlußpfiff nach seiner vierten Rheinlandmeisterschaft in Serie überglücklich. (Rhein-Zeitung, 16.06.1997; SFE wieder Rheinlandmeister)
(51) Die Galeristin hat von Anfang an unbeirrbar an den jungen Maler geglaubt.
(52) [indirekte Charakterisierung] Der Trainer hatte trotz aller Rückschläge an das große Talent der jungen Eiskunstläuferin geglaubt.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kprp: an +Akk
(53) Du musst nur an dich glauben, dann schaffst du es!

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(54) Der Namenszug eines Wolfenbütteler Juweliers wird schon heute Abend auf der Brust der Spieler zu sehen sein. "Es ist ein schönes Zeichen für die Mannschaft, dass noch an sie geglaubt wird", freut sich der Coach. (Braunschweiger Zeitung, 24.02.2007; Zum Glück sind in Wolfenbüttel keine Fähren unterwegs)

7 glauben an

Strukturbeispiel:jemand glaubt an etwas
Im Sinne von:jemand ist davon überzeugt, dass etwas eintreten, sich durchsetzen wird
Satzbauplan:Ksub , Kprp
Beispiele:
(55) Wer an einen Sieg der Vernunft geglaubt hat, sieht sich bitter enttäuscht.
(56) Glaubst Du noch an die Qualifikation für die 3. Liga? (Braunschweiger Zeitung, 12.01.2008; Kunstrasen in der Wohnung)
(57) Sein Leitspruch lautet: Du darfst nicht an Wunder glauben.
(58) Auch Bräuninger glaubt nicht an das schlimmste Szenario. Dies wäre eine lang anhaltende Krise mit einer ausgewachsenen Rezession in den USA. (Hamburger Morgenpost, 22.01.2008, S. 7)
(59) [indirekte Charakterisierung] Jede Ideologie glaubt an eine bessere Zukunft - sonst wäre sie ja wirkungslos.
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kprp:

     an +Akk
(60) Der Verkehrsminister war im ersten Anlauf am Widerstand aus der Union gescheitert, glaubt jetzt aber an die Zustimmung der Unions-Länder. (Hamburger Morgenpost, 06.05.2008, S. 6-7)

      SKprp mit obl. Korrelat daran

          dass-S:
(61) Er glaubte daran, dass die Arbeiterklasse bloß den Wissensvorsprung der Bourgeoisie aufholen müsse, um die Klassengegensätze abzuschaffen. (Zeit, 04.01.1985, S. 35)

          Inf-S mit zu:
(62) Der Kommunismus glaubt fest daran, die Welt verändern zu können.

          HS:
(63) Er war ein fanatischer Nazi, der bis zum Schluss daran glaubte, Hitlers Truppen würden mit Hilfe einer Wunderwaffe den Krieg schließlich doch gewinnen.

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(64) Er betonte, dass nach wie vor Optimismus herrscht und auch in Elm an die Zukunft geglaubt wird. (Die Südostschweiz, 10.04.2006; «Landi-Netzwerk optimieren»)

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 15.12.2009 15:32.