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[Text im Vollbild]

er- (erbauen)

Art des Affixes: Präfix
Aussprache: erbauen
Herkunft: ahd. ur 'aus ... heraus'.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Verb
Mögliche Basen: Verben.
Beispiele: erbauen, erbeben, erblicken, erblühen, erglühen, erklingen, erlöschen, erlösen, errichten, erschallen, erschießen, erspühren, erstrahlen, ertönen, erziehen.

Um zehn Uhr morgens ziehen die Schüler Neoprenanzüge an, tapsen ins Rote Meer und spielen toter Mann. (…). Arme und Beine hängen schlaff herab, nur Rücken und Schnorchel lugen hervor. Vom Meer verschluckt, erlöschen die Geräusche Ägyptens, das Hupen der nahen Taxis, das Getümmel an den Beachbars. Stille.
(Die Zeit, 12.03.2009)

Den Traum von der Idealstadt verwirklichten Machthaber, indem sie ganze Hauptstädte neu gründeten. So ließ Zar Peter der Große Sankt Petersburg errichten und machte es 1712 zur Hauptstadt, um Russland nach Westen zu öffnen.
(Die Zeit, 01.05.2008)

Es gebe aber auch einen entscheidenden Unterschied zwischen Männern und Hunden: „Einen Hund muss man lebenslang erziehen, sonst beißt er oder rennt weg. Bei einem Mann ist es andersrum. Er läuft weg oder wird aggressiv, wenn man nicht aufhört, ihn zu erziehen.“
(Braunschweiger Zeitung, 30.11.2009)

Produktivität: Papier ist geduldig. Darauf habe ich mir die Berufsbezeichnung "Schriftsteller" erschrieben (Rezzori: 14), Auch Franci, der Italiener, hat sich als realschüler unter lauter Gymnasiasten seinen Platz in der Gruppe erskatet (Greenpeace-Magazin 2/1997: 17), ganz nebenbei erbügelt man sich einen tiefen Respekt vor den Schneidern (Amica 6/1998; 162).
Bedeutung: Das Präfix signalisiert, seiner sprachgeschichtlichen Herkunft entsprechend, eine Heraus- und Aufwärtsbewegung: Wasser ergießt sich aus einem Krug über den Tisch; wer eine Kathedrale erbaut, baut sie auf.
Ebenfalls aus dieser Herkunft hat sich die Lesart eines Auftaktes entwickelt: Erblüht eine Chrysantheme, blüht sie auf. Daneben gibt es Lesarten, die eine beendende Tätigkeit anzeigen: Wer jemanden erwürgt, würgt ihn bis zum Ende.
Vor allem mit reflexivem sich, z.B. sich eine Goldmedaille errudern, aber auch ohne Reflexivum, z.B. einen Reiter am Horizont erspähen, drücken die Derivate aus, dass das vom Objekt Bezeichnete erreicht wurde: Wer sich eine Goldmedaille errudert, rudert so, dass ihm eine Goldmedaille zusteht; wer nach einem Reiter späht, sieht ihn erst, wenn er ihn erspäht.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: ver-, z.B. verklingen.
Spezialliteratur: Schröder, Jochen (1994); Zifonun, Gisela (1973)

Weiterführender Text:

  - Explizite Verbderivate

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 12.01.2012 16:23.