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[Text im Vollbild]

-esk (clownesk)

Art des Affixes: Suffix
Aussprache: clownesk
Herkunft: ital. -esc(o), franz. -esque.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Adjektiv
Mögliche Basen: Nomina, in der Regel Entlehnungen. Häufig auch Eigennamen und geografische Namen.
Beispiele: chansonesk, clownesk, kafkaesk, karnevalesk, mannheimeresk.

Die Französin singt die Schlager in lakonischem Singsang, chansonesk, bald hinreißend gelangweilt, bald herrlich kokett. Und zwischen den Liedzeilen kommentiert sie das Spiel ihrer Kollegen mit köstlicher Mimik weiter, grimassierend, gewitzt komödiantisch
(Die Rheinpfalz, 15.09.2008)

"Kafka bekannte sich über die Literatur zu seinen Ängsten", sagte Dorothea Höfer - ein ungewöhnlicher Umstand in jenen Jahren. Häufig kommen diese Ängste in surrealer Weise zum Ausdruck - eben "kafkaesk", was soviel bedeutet wie unwirklich, absurd, bedrohlich.
(Rhein-Zeitung, 28.07.2008)

Inzwischen schunkeln sogar die Menschen in Berlin und Kiel. In Wahrheit jedoch sind die Deutschen nach wie vor recht unterschiedlich karnevalesk. Die Karte zeigt: Selbst im Rheinland gibt es noch Anfänger.
(Die Zeit, 07.02.2008)

Produktivität: verhielten sich ganz unhooliganesk zurückhaltend (TAZ 13.6.1992: 18), dessen polternde Erscheinung die Jazzphysiognomie so karikaturesk geprägt hat (Süddeutsche Zeitung 24.4.1995: 15), ein kleines Beispiel von tazesker Hundefeindlichkeit (TAZ 10.8.1995: 26), Frau Stickmann schafft geishaesk trippelnd und lächelnd Salat herbei (TAZ 22.9.1997: 17).
Besonders häufig wird -esk mit Personeneigennamen kombiniert, z.B. eine michelangeleske Villa (Rezzori: 18), adenaueresk, blickendörferesk, chaplinesk, darwinesk, draculesk, dylanesk, hamletesk, hölderlinesk, polkesk, robinhoodesk, warholesk, zappaesk (alle TAZ 1986-1998). Häufig werden als Basis aus Gründen der Erkennbarkeit die vollständigen Eigennamen verwendet, z.B. jamesbondesk, heinermülleresk, woodyallenesk.
Morphologische Besonderheiten: Der Endvokale der Basis (z.B. bei Europa) und der Anlaut des Suffixes verschmelzen miteinander, z.B. europesk. Vgl. aber dandyesk, geishaesk, kafkaesk, miroesk.
Bedeutung: Das Adjektivderivat attribuiert in Nominalphrasen wie eine geishaeske Frau das vom Nomen Bezeichnete mit einem Vergleich: Eine geishaeske Frau ist eine Frau, die sich wie eine Geisha verhält, die charakteristische Merkmale einer Geisha hat. Geishaesk trippeln ist trippeln wie eine Geisha.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: -haft, z.B. mädchenhaft.
-isch, z.B. kindisch.
-lich, z.B. königlich.
-in, z.B. kristallin.

Weiterführender Text:

  - Explizite Adjektivderivate

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 25.05.2011 12:04.