grammis 2.0

das grammatische informationssystem des instituts fur deutsche sprache (ids)
Korpusgrammatik Grammatik in
Fragen und Antworten
Systematische
Grammatik
Grammatische
Fachbegriffe
Grammatisches
Wörterbuch
Grammatische
Bibliografie
[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z] 
 

[Impressum] [Datenschutzerklarung]

                                                                           
[Text im Vollbild]

be-...-ig (bescheinigen)

Art des Affixes: Zirkumfix
Aussprache: bescheinigen
Herkunft: spätmhd. be-...-ig, z.B. be-leidigen.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Verb
Mögliche Basen: Nomina, in der Regel einheimische, und zwar sowohl Abstrakta (z.B. Gnade) als auch Konkreta (z.B. Kost, Erde, Seite).
Beispiele: beerdigen, befriedigen, begnadigen, beköstigen, beleidigen, belobigen, benachrichtigen, berechtigen, bescheinigen, beseitigen.

Wie also, so fragte sich die ganze Runde, kann Architektur vermittelt werden und Begeisterung wecken, um glücklich zu machen? Sie muss, formulierte der Psychologe, „Bedürfnisse befriedigen, von denen der Nutzer noch gar nicht weiß, dass er sie hat“.
(Nürnberger Zeitung, 11.05.2009)

Da Milchprodukte auch bei noch so guter Kühlung irgendwann schlecht werden, ergibt sich bei voll gestopften Kühlgeräten schnell ein gewisser Ekelfaktor. Und den Schimmel der anderen Bewohner beseitigen, wer hat da schon Lust drauf? Da schiebt man die neuen Einkäufe einfach davor. Getreu dem Motto: Was ich nicht sehe, ist gar nicht da.
(Nürnberger Zeitung, 12.01.2009)

ABER HALLO, ANGELA - wie hast du dich verändert? Keine Angst, Sie haben keinen Knick in der Optik. Dafür muss man den Künstlern von Madame Tussauds Panoptikum in London bescheinigen, dass sie unsere Kanzlerin gekonnt verjüngten.
(Hamburger Morgenpost, 06.02.2008)

Gerade im Fränkischen existieren herrliche Schimpfworte, die einen sachlichen Kern enthalten und somit tendenziell straffrei sind: „Wärdlasglaaber“, „Mädlesschmecker“ oder „Beidlschneider“. Als Faustregel gilt: Wenn schon beleidigen, dann immer schön sachlich bleiben! Im Zweifel ist also der „Wafflbegg“ dem „Windbeidl“ vorzuziehen.
(Nürnberger Zeitung, 09.03.2009)

Morphologische Besonderheiten: Verben wie bescheinigen werden als Zirkumfixverben mit der Struktur be-schein-ig(en) analysiert. Ausgeschlossen wird hier, dass eine adjektivische Basis vorliegt: *scheinig. Auch semantisch lässt sich die Analyse als Zirkumfixderivat mit Nomenbasis begründen: bescheinigen bezeichnet eine ornative, eine hinzufügende Tätigkeit, bei der jemandem ein Schein im Sinne eines Zeugnisses zuteil wird.
Bei Basen auf -e (z.B. Gnade) verschmilzt der Auslaut der Basis mit dem Anlaut des Suffixes, z.B. begnadigen, beseitigen.
Bedeutung: Es werden ornative Verben gebildet. Das Zirkumfix bezeichnet eine Tätigkeit, die durch das von der Basis Bezeichnete semantisch näher bestimmt wird: Wer jemanden beköstigt, versieht ihn mit Kost.
Mitunter werden auch Tätigkeiten bezeichnet, bei denen etwas lokalisiert wird: Wer jemanden beseitigt, schafft ihn zur Seite.
Komplementäre/konkurrierende Affixe: be-, z.B. begrenzen.
ent-, z.B. entlohnen.
-ier, z.B. lackieren.
-ig, z.B. huldigen.
in-...-ier, z.B. inszenieren.
ver-, z.B. vergolden.

Weiterführender Text:

  -  Zirkumfix

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 26.04.2011 09:47.