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[Text im Vollbild]

be- (beladen)

Art des Affixes: Präfix
Aussprache: beladen
Herkunft: ahd. Präp. 'um ... herum, bei, an'.
Wortart des Wortbildungsprodukts: Verb
Mögliche Basen: Verben, in der Regel einheimische.
Beispiele: befallen, bedrängen, bedrucken, behauen, bejammern, bekleben, beleuchten, bekleckern, beladen, belügen, bemalen, benagen, bereden, bereisen, beschenken, beschimpfen, beschmieren, beschnüffeln, beschreiben, bespannen, bespielen, besprechen, bestaunen, beziehen, beweinen.

Wer vom Milzbrand-Erreger befallen wird, kann eine blutige Lungenentzündung bilden. Bei der Obduktion solcher Anthrax-Opfer konnten die Ärzte in früherer Zeit – als die Krankheit noch wenig erforscht war – zu der Vermutung gelangen, dass hier jemand Blut geschlürft hat.
(Braunschweiger Zeitung, 27.06.2009)

Die Schauspieler ... bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm. Etliche von ihnen aber mit Kunstblut. Denn gegen das titelgebende fünfte Gebot - "Du sollst nicht töten" - wird hier alle naslang verstoßen.
(Hamburger Morgenpost, 18.09.2008)

Wer nicht wild gestikuliert und redet, widmet sich dem heimischen Nationalsport: Eine SMS zu verschicken, kostet nur 0,1 Rupiah. Ein Euro hat etwa den Gegenwert von 15 400 Rupiah. Da lässt sich elektronisch noch viel bereden, auch wenn ein Indonesier im Durchschnitt gerade mal 80 Euro im Monat verdient.
(Rhein-Zeitung, 06.01.2009)

Wenn's ums Erbe geht, sehen Menschen nicht selten rot. Sie bekriegen sich, beschimpfen sich, rächen sich.
(Hamburger Morgenpost, 08.04.2009)

Produktivität: Nachdem Friedhelm und Luise einander vorerst genügend beküsst hatten (KOLB: 269), einer, der um Mitternacht dringend einen anderen betelefonieren will (HAEFS: 88), Mailer benickt conferenciergeschickt die Aussagen seiner Vorredner (ZEIT 6.12.1996: 15).
Bedeutung: Die Lesarten deverbaler be--Präfigierungen sind vielfältig; gemeinsam ist allen eine Gerichtetheit: Ein Hund, der eine Wurst beschnüffelt, schnüffelt an einer Wurst. Die Gerichtetheit drückt sich auch in der gegenüber dem Basisverb geänderten Valenz aus: Die Derivate sind grundsätzlich transitive Verben, d.h. Verben, die ein direktes Objekt verlangen, vgl. Hrair staunt (über Neuschwanstein) und Hrair bestaunt Neuschwanstein. Die Valenz steuert außerdem die Perspektive: Das Objekt, auf das die Tätigkeit wirkt, wird in den Mittelpunkt gerückt, vgl. Hans-Peter streicht Nutella auf sein Knäckebrot und Hans-Peter bestreicht sein Knäckebrot mit Nutella.
Spezialliteratur: Günther, Hartmut (1974); Schröder, Jochen (1994); Zifonun, Gisela (1973)

Weiterführender Text:

  - Explizite Verbderivate

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 12.01.2012 16:08.