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auswandern

Aussprache: 'auswandern
Stammformen:wandert aus - wanderte aus - ist ausgewandert
Konjugationsmuster:schwach
  
1 auswandernvon irgendwo herkommen, um woanders eine neue Heimat zu finden
2 auswandernsich von irgendwo irgendwohin verlagern

1 auswandern

Strukturbeispiel:jemand wandert von irgendwo irgendwohin aus
Im Sinne von:jemand kommt von irgendwo her, um woanders eine neue Heimat zu finden
Satzbauplan:Ksub , (Kadv)
Beispiele:
(1) Er redet fortlaufend davon, dass die chemische Industrie in Anbetracht der Umweltschützer und ihrer Forderungen über kurz oder lang aus der Bundesrepublik auswandern werde. (nach die tageszeitung, 25.04.1987, S. 4)
(2) Mein Bruder ist vor zwei Jahren nach Kanada ausgewandert.
(3) In West- und Mitteleuropa gibt es kaum noch Wölfe: sie sind ausgerottet worden bzw. in andere Lebensräume ausgewandert.
(4) [indirekte Charakterisierung] Die Arbeit wandert aus Europa aus.
(5) Warum soll ich denn auswandern? (Berliner Zeitung, 21.12.1998, S. 11)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     aus +Dat/von +Dat: Ausgangsort
(6) In den letzten Jahren seien mehr Menschen aus Deutschland ausgewandert als zugezogen. (die tageszeitung, 27.11.1999, S. 4)
(7) Blume war 1938 von Deutschland nach Israel ausgewandert. (Berliner Zeitung, 28.11.1997)

      auf +Akk/in +Akk/nach +Dat: Zielort [Erdteil, Land, Gebiet, Stadt]
(8) Ein Teil der Goten ist auf die Krim ausgewandert.
(9) Im dritten Jahrhundert sind Germanen aus offensichtlich wirtschaftlichen Gründen ins Gebiet des heutigen Flandern ausgewandert. (die tageszeitung, 19.11.2003, S. 6)
(10) Dieser alte Mann hatte aus lauter Eigensinn die Großmutter sitzen lassen und war nach Amerika ausgewandert. (Strittmatter, S. 31)

Passivkonstruktionen: Werden-Passiv: nur unpersönlich

werden:
(11) Denn ausgewandert wurde schließlich nicht nur aus der nackten Not heraus, wenn dies auch ein vorherrschendes Motiv im 18. und 19., ja auch im 20. Jahrhundert war. (die tageszeitung, 07.09.2004, S. 16)

2 auswandern

Strukturbeispiel:etwas wandert von irgendwo irgendwohin aus
Im Sinne von:etwas verlagert sich von einer Stelle irgendwohin und existiert, entwickelt sich dort weiter
Satzbauplan:Ksub , Kadv
Beispiele:
(12) Das ist eine Erkrankung, bei der Schleimhautgewebe aus der Gebärmutter in die Leibeshöhle auswandert. (Zeit, 30.05.1986, S. 72)
(13) Immer neue Wolken wanderten von Nordwest nach Südost aus, als hätte jene Richtung den Wolken etwas Besonderes zu bieten gehabt. (Grass, S. 62)
(14) Ist jener alte Idealismus, die Sehnsucht nach einer besseren Welt, nicht ausgewandert in neue Gruppierungen, zu den Grünen zum Beispiel? (Zeit, 11.7.86, S. 4)
Belegungsregeln:

Ksub: NP im Nom/ProP im Nom/GWS

Kadv: Ort (direktivisch)

     aus +Dat/von +D: Ausgangsort
(15) Die Politik aber war ausgewandert aus den Institutionen, auch aus dem Parlament und sogar aus den Parteien.(Die Zeit (Online-Ausgabe), 26.08.1999, Nr. 35; Von deutschen Anfängen)

     in +Akk/... : Zielort
(16) Doch die alte konservative Skepsis gegenüber der Moderne gibt es noch immer. Sie ist ausgewandert zu den Grünen, in die Gewerkschaften, zu den Verteidigern der klassischen Bildung und des dreigliedrigen Schulsystems, zu den Gegnern von Abtreibung und Selbstbestimmung, zu den Kritikern der Kernenergie wie den ästhetischen Widersachern der modernen Windmühlen. (die tageszeitung, 01.12.2003, S. 11)

Passivkonstruktionen: kein Passiv möglich

© IDS Mannheim. Zuletzt geändert am 17.12.2012 11:17.