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Zu Ehren von Bruno Strecker

Mannheim, im Februar 2011: Bruno Strecker feierte gerade seinen 65. Geburtstag und wird nun in den Ruhestand verabschiedet. Seine Kolleginnen und Kollegen stehen vor einem gewaltigen Umbruch. Von heute auf morgen soll im IDS dieser diskussionsfreudige Querdenker fehlen, der ihrem Grammatikeralltag so viele Impulse gegeben hat, der jederzeit mit einer neuen Perspektive aufwarten konnte und der immer für eine Grammatikschreibung mit Hilfe moderner Konzepte und Technologien einstand? Soll er wirklich schon das Rentenalter erreicht haben, der stets aktive Bruno, mit dem man auch so gut über Jazz, Blues & Rock 'n' Roll plaudern und sich kompetent und tagesaktuell über das Bundesligageschehen austauschen konnte? Schwer vorstellbar, aber wahr. Wir werden ihn sehr vermissen, und wollen ihn daher nicht ohne ein linguistisches Abschiedsgeschenk in den Ruhestand entlassen.

Am auffälligsten in Bruno Streckers wissenschaftlicher Arbeit ist vielleicht seine funktional-kommunikative Sicht auf die Grammatik. Bereits in seiner Habilitationsschrift entwirft er das Konzept einer Grammatik der Kommunikation:

Für die GRAMMATIK DER KOMMUNIKATION konstituiert sich ihr Gegenstand Sprache nicht als ein System nach bestimmten Regeln geformter bzw. zu formender Ausdrücke, sondern als eine Tradition von Formen kommunikativen Handelns. Sie betrachtet dieses Handeln, in der erreichten Form, als ein Ergebnis einer Evolution von Problemlösungen, die als eine Art Musterlösungen bewahrt und von Generation zu Generation weiter ausgearbeitet worden sind.1 Diese Betrachtungsweise bestimmt das Programm der GRAMMATIK DER KOMMUNIKATION: Sie soll die Sprache nicht nur beschreibend erfassen, sondern nach Möglichkeit nachvollziehen, welcher Sinn darin liegt, daß die vorgefundenen Ausdrucks- und Handlungsmuster sind, wie sie sind. [Strecker 1987, S. 12]

Fußnote 1 (Abschnitt ein-/ausblenden)

1 Man kann sich die Entwicklung einer Sprache ähnlich vorstellen wie die Entwicklung einer nationalen oder regionalen Kochkunst, womit natürlich nicht behauptet werden soll, daß die Sprachentwicklung ähnlich einfach war.

Nach dem Studium in Heidelberg, der Promotion in Tübingen und der Habilitation in Augsburg (zum Schriftenverzeichnis) kommt Bruno Strecker 1984 an das IDS nach Mannheim, um hier bei der Entstehung der Grammatik der deutschen Sprache als einer der Hauptautoren mitzuwirken und dabei eben für die funktional-kommunikative Perspektive zuständig zu sein. Später initiiert und bereichert er noch weitere Institutsprojekte. Als Meilensteine sind dabei die von ihm geleiteten Vorhaben "Grammis", die "Grammis"-Erweiterung "Grammatik in Fragen und Antworten" und "Korpusgrammatik" zu nennen. Die beiden ersten, in denen umfangreiche grammatische (Teil-)Systeme im Internet entstanden, sind quasi seine wissenschaftlichen Kinder. Aber auch dem groß angelegten dritten Vorhaben hat er, gleichwohl es sich noch in der Anfangsphase befindet, mit seinen theoretischen Überlegungen und praktischen Pilotstudien eindeutig seinen Stempel aufgedrückt, und das verbleibende Projekt-Team hofft, dass er ihm als externer Berater auch in der Zukunft erhalten bleiben wird.

Das vorliegende Abschiedsgeschenk ist ein Bestandteil des Systems grammis und speziell von Grammatik in Fragen und Antworten geworden. Es beginnt mit drei Betrachtungen aus der „Metaperspektive“: Rainer Wimmers Reflexionen über Bruno Streckers Sprachwissenschaftler-Ethos, Roman Schneiders Erinnerungen an die Anfänge von grammis und Helmut Froschs Überlegungen zum Wesen von Grammatik und zur Konzeption von Grammatik in Fragen und Antworten. Darauf folgen Beiträge zu grammatischen Schwierigkeiten und Zweifelsfällen des Deutschen, die durch Weggefährten aus verschiedenen Phasen des Wissenschaftlerlebens Bruno Streckers verfasst wurden. Da kein Bereich der Grammatik von Zweifeln der Sprachbenutzer verschont bleibt, setzen die Beitragsautoren Bruno Streckers Bemühungen, die dunklen Flecken des Sprachgebrauchs zu beleuchten, auf ganz verschiedenen Gebieten fort. Der Lichtkegel richtet sich auf Fragen, die von der Wortbildung über Flexionsmorphologie und Syntax bis hin zur Textgrammatik reichen, und bringt auch Aspekte der gesprochenen Sprache und die Phonetik in den Blick.

Die Bedeutung von Wortbildungen steht in den Beiträgen Ulrich H. Waßners zu bestenfalls und Hardarik Blühdorns zum Suffix -bar zur Diskussion. Horst Schwinn beschäftigt sich mit der Bedeutung und der unflektierten Verwendung von lecker. Hans Jürgen Heringer greift danach flexionsmorphologische Probleme bei der Wortgruppe Anfang diesen Jahres auf und schlägt die Brücke zum Wortartenwechsel. Einen Überblick über Schwankungen zwischen schwacher und starker Substantivflexion gibt Hagen Augustin. Ludwig M. Eichinger umreißt Fragen zum Genitiv und zeigt die Verzahnung zwischen der Position der Genitivformen im System und den Problemen ihrer Verwendung auf. Die Lesarten des Genitivs bei ung-Nominalisierungen thematisiert Gisela Zifonun. Rudi Keller beschließt den Genitiv-Block mit einer Betrachtung verschachtelter Genitivattribute. Daraufhin widmet sich Marek Konopka dem Dativ-e. Jacqueline Kubczak nimmt anschließend den doppelten Akkusativ und die Rektion von kosten unter die Lupe und betritt damit endgültig das Gebiet der Syntax. Die Progressivformen wie er ist am Schreiben nimmt Ludger Hoffmann ins Visier. Um Verknüpfungen von Konstruktionen geht es in den Beiträgen Adriano Murellis zu das versus was als Relativpronomen und Eva Breindls zum „koordinierenden“ weil. Caren Brinckmann und Noah Bubenhofer analysieren den Gebrauch von tun-Periphrasen in Korpora geschriebener und vor allem gesprochener Sprache. Letztere steht dann abschließend alleine im Fokus im Beitrag Markus Hillers zur Aussprache von Fremdwörtern mit nasalisierten Vokalen.

Alle Beiträge sind mit der Hypertextstruktur von Grammatik in Fragen und Antworten verwoben und als deren Informationseinheiten auch regulär über das Menu und die Suchfenster abrufbar und recherchierbar. Mögen sie jedem Leser Hilfestellungen in grammatischen Notfällen sein und Bruno Strecker obendrein eine willkommene Abwechslung zu den sprachphilosophischen Studien, zu denen er im Ruhestand endlich einmal zu kommen hofft(e).

PS: "Auld Lang Syne" , "Viel Glück und viel Segen" - gesungen von einigen Kollegen und Mitgliedern des IDS-Chors.