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Was sind die wichtigsten grammatischen Verfahren?

- Entnommen aus ProGr@mm -

Es geht in der Arbeit der Grammatiker häufig darum, durch Segmentieren und Klassifizieren Sätze in jeweils kleinere Einheiten zu zerlegen. Umgekehrt dienen diese kleineren Einheiten als Bausteine für jeweils größere. Diese Bausteine nennt man Konstituenten. Die verschiedenen Verfahren dazu hat vor allem die so genannte Konstituentenstrukturgrammatik und die auf die innere Form des Deutschen bezogene Grammatik von Hans Glinz entwickelt. Drei der wichtigsten sollen kurz vorgestellt werden.

Verschiebeprobe (Umstellungsprobe, Permutation):

Die Verschiebeprobe wird hauptsächlich auf der Satzebene angewandt. Der Satz

Er erledigte seine Aufgaben mit unglaublichem Eifer.

kann in mehrfacher Weise umgestellt werden, was entweder zu sinnvollen (1-3) oder zu nicht sinnvollen (4-6) Sätzen des Deutschen führt:

1. Seine Aufgaben erledigte er mit unglaublichem Eifer.
2. Mit unglaublichem Eifer erledigte er seine Aufgaben.
3. Erledigte er seine Aufgaben mit unglaublichem Eifer?

4. *Seine Aufgaben mit unglaublichem Eifer erledigte er.
5. *Er erledigte seine mit unglaublichem Eifer Aufgaben.
6. *Er erledigte Aufgaben seine mit unglaublichem Eifer.

Es gibt also akzeptable syntagmatische Abfolgen und nicht akzeptable. Die Umstellungsprobe hat ergeben, welche Einheiten im Satz enger zusammengehören und eine Satzkonstituente bilden. Im Beispielsatz ergeben sich so drei Phrasen und der Verbalkomplex, die den Status von Satzgliedern haben, die in ProGr@mm "primäre Komponenten" genannt werden. (Der Verbalkomplex wird in ProGr@mm nicht als Phrase behandelt.) Die vier Komponenten

sind unmittelbare Konstituenten des Satzes. Sie ergeben nur in bestimmten Abfolgen sinnvolle Sätze. Man erkennt, dass die mehrgliedrigen Phrasen

bei Umstellungen nicht auseinander gerissen werden dürfen. Das ist aber nicht zwingend so. Im folgenden Satz bilden Gegner und viele trotz Distanzstellung eine Konstituente:

Vor allem die Elemente des (ausgebauten) Verbalkomplexes stehen oft getrennt voneinander:

Komplexe unmittelbare Konstituenten kann man weiter zerlegen. So ist unglaublich in mit unglaublichem Eifer ein Attribut und damit ein Beispiel für eine mittelbare (in ProGr@mm sagen wir "sekundäre") Komponente des Satzes.

Die Verschiebeprobe wird auch zur Illustrierung der festen Stellung des finiten Verbs verwendet: Zweitstellung in Hauptsätzen und Endstellung in Nebensätzen.

Die Verschiebeprobe wird in ProGr@mm häufiger in der thematischen Einheit "Wortstellung" eingesetzt.

Ersatzprobe (Austauschprobe, Substitution)

Mit der Ersatzprobe kann man feststellen, welche Phrasen an der gleichen Stelle und mit gleicher Funktion wie bestimmte andere stehen können und erhällt damit deren paradigmatische Beziehung.
Beispiele:

A B C D
Er
Herr Pohl
Sie
erledigte
betrieb
macht
seine Aufgaben
die Sache
das
mit unglaublichem Eifer.
ohne Engagement.
hervorragend.

Die jeweils unter A, B, C, und D stehenden Ausdrücke bilden Konstituentenklassen oder "primäre Komponenten", wie wir in ProGr@mm sagen. Dabei handelt es sich bei A und C um Komplemente/Ergänzungen, bei B um den Verbalkomplex und bei D um Supplemente/Angaben. Die Ausdrücke in einer Spalte stehen in paradigmatischer Beziehung zueinander. Oft wird der Verbalkomplex von diskontinuierlichen Einheiten gebildet, die im linken und rechten Satzklammerteil stehen:

Weglassprobe (Deletion)

Mit der Weglassprobe stellt man fest, welche Konstituenten zu einem minimalen grammatischen Satz gehören und welche darüber hinaus gehende Erweiterungen sind. Wenn man in dem o.a. Satz

Er erledigte seine Aufgaben mit unglaublichem Eifer.

das Weglassen der einzelnen Satzglieder durchspielt, kommt man zu dem Ergebnis, dass

er
erledigte und
seine Aufgaben

nicht weggelassen werden können, also die notwendige Minimalausstattung eines grammatisch vollständigen Satzes sind und mit unglaublichem Eifer eine Erweiterung (also Supplement/Angabe) ist, die für einen grammatisch vollständigen Satz nicht gebraucht wird.

In ProGr@mm nennen wir diese Probe Reduktionstest und verwenden ihn bei der Unterscheidung von Komplementen und Supplementen.