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das grammatische informationssystem des instituts fur deutsche sprache (ids)
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Deskriptiv oder normativ?

- Entnommen aus ProGr@mm -

... weil das finde ich gut.

oder

... weil ich das gut finde.

ProGr@mm stellt eine synchrone Beschreibung (Betrachtung eines Sprachzustandes) der deutschen Gegenwartssprache dar, ohne dass frühere Sprachzustände berücksichtigt werden und ohne Anspruch, die deutsche Gegenwartssprache in ihrem Gebrauch bewerten zu wollen. In diesem Sinne ist ProGr@mm der reinen Deskription (Beschreibung) der momentanen Sprachwirklichkeit verpflichtet.

Es ist uns aber auch bewusst, dass Grammatiken als Nachschlagewerke oder als Informationssysteme von ihren Nutzern zu normativen Zwecken eingesetzt werden können und dass sie im didaktischen Bereich, besonders im Fremdspracherwerb, oftmals notwendigerweise präskriptiv (vorschreibend) verwendet werden. Denn schon allein die Tatsache, dass Grammatiken in niedergeschriebener Form vorliegen, führt dazu, dass auch deskriptive Grammatiken normativ eingesetzt werden.

Es herrscht Konsens unter den Sprachwissenschaftlern, die eine seriöse Sprachbeschreibung betreiben, dass eine Grammatik nur deskriptiv sein kann. So sind alle wissenschaftlichen Grammatiken in der Regel deskriptive Grammatiken. Dies soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass normative Grammatiken existieren. Normative oder präskriptive Grammatiken stellen Regeln und Normen für den Sprachgebrauch auf, mit dem Ziel, eine Hoch- bzw. Standardsprache zu konservieren. Maßstab hierfür sind meist die Lateinische Grammatik sowie sprachliche und stilistische Merkmale literarischer Vorbilder. Diese vermeintlichen Vorbilder dienen dazu, vorzuschreiben oder vorzuschlagen, wie gesprochen und geschrieben werden soll. Mit ihrer sprachkonservierenden Funktion wird die normative Grammatik den diachronen Veränderungen der Sprache, die in der Regel durch verschiedene sozio-ökonomische Faktoren hervorgerufen werden, nicht gerecht.

Sprachkritiker und Sprachpfleger (die meist keine Sprachwissenschaftler sind) berufen sich oft auf die Lateinische Grammatik oder auf (normierende) Schulgrammatiken, um ihre sprachkulturellen Bewertungen darüber, was gut und schlecht, richtig und falsch ist, im aktuellen Sprachgebrauch zu rechtfertigen.