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Schlagwörter: Adjektiv Komparation Komparativ

Toter als tot? — Was kann gesteigert werden?

Wer tot ist, könnte toter nicht sein. Eine Steigerung ist bei diesem Zustand sachlich ausgeschlossen. Doch heißt das auch, dass die Bildung des Komparativform toter (auch: töter) als ungrammatisch gelten kann? Gewiss nicht, denn, wäre dies so, dann müsste schon die einleitende Feststellung als fehlerhaft gelten. Tatsächlich ist die Steigerungsform toter völlig regulär gebildet und deshalb so wenig ungrammatisch wie etwa ein sachlich unzutreffender Satz wie Dieses Quadrat ist rund.

Prinzipiell kann zu jedem Adjektiv, das nicht bereits in einer Steigerungsform vorliegt, eine Komparativform gebildet werden. Wenn dies bei Adjektiven, die nicht-steigerungsfähige Eigenschaften bezeichnen, selten geschieht, dann aus dem einfachen Grund, dass im Allgemeinen kaum Bedarf an entsprechenden Feststellungen besteht. In keinem Fall kann dies jedoch als Indiz dafür gelten, dass bei entsprechenden Adjektiven die Bildung von Steigerungsformen aus grammatischen Gründen unzulässig ist, denn damit würde das Symptom zur Ursache erklärt. Dies gilt umso mehr bei Adjektiven, die Eigenschaften bezeichnen, über deren Steigerungsfähigkeit die Meinungen auseinander gehen, wie dies etwa bei Farben der Fall ist.

Grenzen setzt der Steigerung als grammatischem Verfahren allein die Zugehörigkeit zu bestimmten Wortarten: Steigerungsfähig in grammatischem Sinn sind Adjektive als Attribute und Prädikativkomplemente sowie einige wenige Adverbien:

Adjektive als Attribute

Der erhabenste Ort aber, bei allen theatralischen Bemühungen, ist das Frankfurter Hochhaus. Der Frankfurter Wolkenkratzer ist der virile Selbstdarsteller schlechthin.
[Frankfurter Rundschau, 11.09.1998, S. 9]

Denn während ihm die US-Behörden ständig seine Monopolstellung und Verstöße gegen die Verbraucherinteressen unterstellen, weht ihm aus London ein wesentlich freundlicherer Wind entgegen.
[COMPUTER ZEITUNG, 04.12.1997, S. 7]

Unter Umständen drohten dann nämlich Superdome-Pläne, uferlose Preiserhöhungen und noch geschmacklosere Merchandising-Artikel.
[Frankfurter Rundschau, 08.08.1998, S. 30]

Adjektive als Prädikativkomplemente

Der 'Erbprinz' oder der 'Elefant' wäre angenehmer gewesen.
[Thomas Mann: Meine Goethereise, (Vortrag 1932), In: Gesammelte Werke in zwölf Bänden mit einem Ergänzungsband, Bd. 13. - Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1974, S. 71]

Hü-hüpf und hinauf und dann bis ans Zeltdach geschaukelt - nur fliegen ist schöner.
[die tageszeitung, 07.06.1991, S. 27]

Schnaps und Most waren billiger als Wein.
[Vorarlberger Nachrichten, 15.04.2000, S. A12]

Einige Adverbien

Als Richtschnur gelte hier, dass umso "konservativer", also umso risikoärmer veranlagt werden sollte, je nötiger und je bälder man das Ersparte voraussichtlich wieder braucht.
[Vorarlberger Nachrichten, 28.10.1999, S. D1]

Trotzdem wäre mir wohler, wir könnten den Schützen, nachdem das klargestellt ist, sagen: Schwamm drüber.
[Die Zeit, 22.08.1997, Nr. 35, S. 3]

Gerne wüßte ich den "Honorarbetrag", gerner noch wüßte ich den Sinn.
[Die Zeit, 18.07.1997, Nr. 30, S. 41]

Im Gegensatz dazu wird bei den erwachsenen Zuschauern das Erste Programm öfter gesehen als das Zweite.
[die tageszeitung, 27.01.1989, S. 13]

Was ist nicht steigerungsfähig?

Nicht steigerungsfähig sind hingegen Wörter aller anderen Wortarten, obwohl sich, sachlich betrachtet, auch darunter manches findet, das zur Charakterisierung von Ereignissen und Sachlagen verwendet wird, die ein Mehr und Minder kennen: Erfolg, etwa, kann mehr oder weniger groß sein, ein Unglück mehr oder weniger schrecklich, doch die sprachlichen Mittel, mit denen hier Abstufungen vorgenommen werden, sind nicht morphologischer Art wie bei Adjektiven. Um etwa verschiedene Stufen der Intensität von Angst zu unterscheiden, kann man zu dem Nomen Angst so genannte Attribute stellen, etwa so:

Ich war 15 Jahre alt und hatte schreckliche Angst.
[Frankfurter Rundschau, 14.01.1999, S. 2]

Vor Feuer und Dunkelheit hat er höllische Angst und geht alleine nicht auf die Straße.
[die tageszeitung, 23.11.1994, S. 18]

Wir hatten Angst wie ein «Chüngeli» vor einer Schlange.
[St. Galler Tagblatt, 24.08.1999, Wie ein Chüngeli vor der Schlange]

Eine Angst, die lähmen kann, zum Widerstand wird oder in die Flucht treibt - über jede noch offene Grenze.
[die tageszeitung, 09.08.1989, S. 8]

Fachliteratur

Fachliteratur zum Thema Komparation