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Schlagwörter: Numerus Plural Semantik

Worte oder Wörter? - Pluralvarianten und Bedeutungsvarianten

Man darf sich nicht damit aufhalten, Wörter einzeln auf die Goldwaage zu legen.
[Züricher Tagesanzeiger, 16.06.1997, S.57]

Vielleicht werden Sie sich bei diesem Zitat gefragt haben, ob es nicht eigentlich Worte auf die Goldwaage legen heißen müsse. In diesem Falle wäre die Verwendung von Worte tatsächlich angemessen, dies zeigt auch die Verteilung in den Textkorpora des IDS: Die Redewendung in der Version mit Wörter kommt nur einmal, die mit Worte schon 81 mal vor. Woran liegt das? Liegt hier vielleicht ein Bedeutungsunterschied vor?

Hier sollen Pluralvarianten vorgestellt werden, bei denen gleichzeitig auch Bedeutungsvarianten vorliegen. Alle gleichbedeutenden Pluralvarianten oder Pluralformen im Allgemeinen werden an anderer Stelle erläutert: Pizze, Pizzas oder Pizzen? - Plural bei Fremdwörtern und Männer, Frauen, Autos, Elche, Becher - Verschiedene Formen der Pluralbildung. Maßangaben, in denen Singulare stehen, wo Plurale zu erwarten sind, werden an dieser Stelle beschrieben: Ein Zentner Kartoffel oder ein Zentner Kartoffeln? - Messangaben und Pluralbildung.

1. Plurale mit verwandten Bedeutungen

Das Wort hat zwei verschiedene Plurale: Worte und Wörter. Mit der Pluralform Wörter bezieht man sich auf einzelne Wörter, wie sie beispielsweise in einem Wörterbuch stehen.

Dort ist es im Begriff, die einheimischen Abschiedswörter 'Servus' und 'Pfüati' zu verdrängen.
[Frankfurter Allgemeine, 25.01.2001, Pfüati, Tschüß! Ein Grantler und 5000 Mitstreiter gegen einen preußischen Abschiedsgruß in Bayern]

Außerdem verstehen sie Fremdwörter genauso wenig wie er.
[die tageszeitung, 18.01.2003, S.12]

Demgegenüber bezeichnet die Pluralform Worte zusammenhängende Gruppen von Wörtern, ganze Wortgruppen und zusammenhängende Gedanken.

Der scheidende Präsident [...] richtete noch einige ganz persönliche Dankes- und Abschiedsworte an "sein Forum".
[St. Galler Tagblatt, 25.05.1998, Forum hat neue Präsidentin]

Daher sprechen wir auch von Wörterbüchern und nicht von Wortebüchern, von Passwörtern und nicht von Passworten, andererseits geben wir Ehrenworte und keine Ehrenwörter und legen eben Worte, jedoch keine Wörter auf die Goldwaage. Bezüglich dieser Unterscheidung scheint es dennoch häufig Unsicherheiten zu geben, es kommt ab und an zu untypischen, wenn nicht falschen Verwendungen:

?Dann bekomme ich nur kurze Stichwörter wie etwa 'Leiche ohne Kopf im Park'.
[Berliner Zeitung, 27.01.2000, S.18]

?Nenne fünf Tiere mit 'K' oder nenne fünf Orte mit 'B' oder nenne fünf Tunworte mit 'S'.
[Oberösterreichische Nachrichten, 16.07.1997, Ressort: Leben]

Das Fragezeichen steht für Verwendungen, die man so nicht erwarten würde.

In Leserbriefen, Foren und auf Internetseiten melden sich Sprachbeobachter verschiedener Meinungen zu Wort: Zum einen gibt es solche, die einen Unterschied zwischen Worten und Wörtern nicht kennen oder nicht kennen wollen, zum anderen solche, die denen absolut konträr gegenüberstehen und so genannte "Wörter"-Vernichter kritisieren, die angeblich nur noch von Worten sprechen und Begriffe wie Codeworte, Passworte und Fremdworte unter das Volk bringen, obwohl in all diesen Fällen die Pluralform -wörter passend wäre. So pauschal lässt sich die Unterscheidung jedoch nicht handhaben.

Ein kritischer Fall zeigt sich beispielsweise beim Plural von Stichwort: Es gibt auch hier beide Pluralformen und je nach Kontext müsste eine der beiden stehen, auch wenn dies nicht immer so gehandhabt wird. Stichwörter gehören beispielsweise in die Liste eines Wörterbuches, Stichworte hingegen notiert man sich, bevor man eine Rede hält. Es gibt aber auch mindestens einen Fall, bei dem die formulierte Regel nicht greift: So heißt es quasi "unlogischer" Weise Sprichwörter anstatt Sprichworte, obwohl es sich dabei ja um ganze Redewendungen handelt.

Es ist fraglich, ob bei der Verwendungsweise von -wörter und -worten vielleicht ein Zusammenfall der beiden Bedeutungen im Gange ist, d.h. ob sich beide Plurale zu (stilistischen) Varianten entwickeln. Jedenfalls können bei Wort leicht Unsicherheiten darüber auftreten, welcher Plural angemessen ist. Bei anderen Fällen mit zwei Pluralen ist man sich vielleicht sicherer, was damit zusammenhängen könnte, das einer der beiden Plurale weniger gebräuchlich ist. Beispiele:

Singular 1. Pluralform 2. Pluralform
Ding, das Dinge = nicht weiter konkretisierte Gegenstände oder Sachverhalte Dinger = (salopp) best. Dinge, deren genaue Bezeichnung man nicht nennen kann oder will
Tuch, das Tücher = Stück Stoff Tuche = (fachsprachl.) Segeltuch; Stoff als Material
Land, das Länder = Staat / mehrere einzelne, klar voneinander abgegrenzte Gebiete, die man gegebenenfalls zählen kann Lande = (veraltet/scherzhaft) mehrere, zwar prinzipiell verschiedene, aber untereinander zusammenhängende und eine größere Einheit bildende Gegenden
Mann, der Männer = mehrere einzelne Individuen Mannen = (veraltet/scherzhaft) Lehns-, Gefolgsleute / mehrere aufgrund einer Aufgabe zusammengehörende, eine Gruppe bildende Personen, wobei die Bedeutung des einzelnen Individuums in den Hintergrund tritt

Kontrastierende Belege (Abschnitt ein-/ausblenden)

Zeit also, um auch einmal über die schönen Dinge des Lebens zu reden.
[Hamburger Morgenpost, 03.06.2006, S.35]
Die Dinger kannte ich von der Werbung und war schwer enttäuscht, als ich hinein gebissen hatte.
[Rippberger, Irene: Rückblicke. Von der Seele geschrieben, 2005, S.394]

Neben einem bereits eingeführten Garderobenservice sollen Tischchen, Ablageflächen und dekorative Tücher dafür sorgen, dass man sich wohler fühlt.
[St. Galler Tagblatt, 04.01.2000; Alternativkultur ist keine Party:]
Hanf (oder Cannabis) ist auch eine Kulturpflanze, aus der seit Jahrtausenden Garne und Tuche hergestellt werden.
[Berliner Zeitung, 21.04.1998, S.24]

Wenn zum Tag der Arbeit am 1. Mai zehn weitere Länder in die Europäische Union aufgenommen werden, dürfte die Zeit des Lamentierens vorbei sein.
[die tageszeitung, 16.01.2004, S. I]
Wer im 5-Sterne-Hotel logiert, braucht demnach weniger als einer, der als Trekker durch die Lande zieht.
[Vorarlberger Nachrichten, 15.01.2000, S. A5]
Die halbe TV-Landschaft jedenfalls dreht durch, seit Justin Timberlake durch die Lande tourt.
[die tageszeitung, 20.11.2003, S.4]

Männer werden nach Ansicht des Trendforschers Matthias Horx im 21. Jahrhundert immer entbehrlicher. "Klassische männliche Berufe gehen den Bach runter", sagte Horx der Zeitschrift "Bunte" (München).
[Vorarlberger Nachrichten, 12.01.2000, S. D6]
Dort treffen die Mannen von Bundestrainer Heiner Brand auf Gastgeber Schweden.
[die tageszeitung, 20.11.2004, S.19]

Ein ähnlicher Fall scheint bei den Wörtern Denkmal, General und Grabmal vorzuliegen: Denkmäler steht der Form Denkmale gegenüber, Generäle der Form Generale, so auch Grabmäler gegenüber Grabmale. Auch scheint es Unterschiede zwischen Kräne und Krane (zugehörig zum Singular der Kran) und zwischen die Wasser und die Wässer (zugehörig zum Singular das Wasser) zu geben. Sie bestehen wohl darin, dass eines der Wörter fachsprachlich oder im gehobenen Sprachgebrauch verwendet wird.

2. Plurale mit verschiedenen Bedeutungen

Bei dieser zweiten Gruppe handelt es sich um die im Volksmund genannten "Teekesselchen". Diese sind gleichlautende Wörter, die allerdings schon im Singular zwei oder mehrere verschiedene Bedeutungen aufweisen. Sie lassen sich nun noch einmal aufspalten in die Gruppe derer, die mit gleichem Artikelwort gebildet werden, also das gleiche grammatische Geschlecht (Genus) haben, und derer, die verschiedene Artikel besitzen.

a) Gleiches Genus

Eines der Paradebeispiele beim Kinderspiel "Teekesselchen" ist die Bank: Obwohl hier das Artikelwort übereinstimmt, handelt es sich inhaltlich im heutigen Sprachgebrauch jedoch um zwei völlig verschiedene Dinge(Homonymie). Schon im Singular sind sowohl die Bedeutungen 'Sitzmöbel, Handwerkstisch' als auch 'Geldinstitut, Sammelstelle' angelegt, im ersten Falle lautet der Plural Bänke (Parkbänke, Werkbänke, etc.) und im zweiten Banken (Postbanken, Datenbanken, Blutbanken etc.).

Hier lassen sich noch einige weitere Beispiele aufführen.

Singular 1. Plural 2. Plural
Bau, der Baue = Höhlen als Unterschlupf bestimmter Säugetiere; ausgebaute Stollen, Gruben Bauten = Gebäude, Bauwerke
Dorn, der Dorne = dornartige Metallstücke/ Werkzeugteile (Technik) Dornen = spitze Pflanzenteile
Druck, der Drucke = das Drucken, gedruckte Werke Drücke = wirkende Kräfte
Gesicht, das Gesichter = Vorderseiten menschlicher Köpfe Gesichte = Visionen
Korn, das Körner = Getreidefrüchte Korne = Teile eines Gewehrs
Mutter, die Mütter = Elternteile Muttern = Schrauben
Strauß, der Sträuße = Blumengebinde; (geh. veraltet) Kämpfe, Streitereien Strauße = Vertreter einer Vogelart

Kontrastierende Belege (Abschnitt ein-/ausblenden)

Biberbaue bestehen aus einem meterlangen, weit verzweigten unterirdischen Röhrensystemen mit Wohnkesseln am Ende und der aus Ästen kunstfertig gebauten Biberburg obendrauf.
[die tageszeitung, 03.07.2004, S. IV]
Einfamilienhaus: Neubauten werden vom Staat weiterhin stärker unterstützt als der Erhalt von Altbauten.
[Berliner Zeitung, 12.04.2003, Ressort: Immobilien, S. 1]

Elf Dorne habe man bislang gefunden. Sie sind zwölf Zentimeter lang und haben einen Durchmesser von 1,5 Zentimetern.
[Berliner Zeitung, 16.12.1998, S. 29]
Rosen ohne Dornen gibt es nicht.
[die tageszeitung, 30.10.1989, S. 14]

Die Drucke in den Vitrinen gehen bis auf das Jahr 1631 zurück. [Die Zeit, 03.12.1998, S.58]
Dazu sind allerdings extrem hohe Drücke von etwa 2000 bar erforderlich.
[Frankfurter Allgemeine, 30.05.2005, Käfige mit Zukunft Wasserstoff in Metallspeichern]

Bei der anschließenden Siegerehrung in der Kulturtalhalle in Klösterle sah man viele lachende Gesichter, Verlierer gab es keine.
[Vorarlberger Nachrichten, 30.03.2000, S. W29]
An drei Tagen widmeten sich die jungen Teilnehmer dem Thema "Umgang mit Angst, Ärger, Wut", wobei die biblische Gesichte vom Propheten Jona zu Grunde lag.
[Mannheimer Morgen, 11.11.2005, Ressort: Stadtteilausgabe Süd; Die Hände nicht zum Schlagen benutzen]

"Wir kaufen unseren Meerschweinchen mal was ganz Leckeres. Die kriegen nämlich meistens nur Körner, und jetzt gibt's auch mal Beeren.
[Frankfurter Rundschau, 04.03.1999, S. 20]
Im IDS-Korpus lässt sich kein Beleg für Körne finden, jedoch im Internet schon: Das Korn der Walther 300 lässt sich herausnehmen und drehen. So stehen dem Schützen drei unterschiedliche Korne zur Verfügung, die 4,2; 4,8 und 5,2 mm breit sind.
[Kimme & Korn - Ihr Online-Waffenmagazin, gesehen am 14.09.2007]

Ich denke, es liegt daran, daß sich die Frauen im Rollenverhalten viel stärker emanzipiert haben als die Männer. Zumindest haben die Mütter begriffen, daß die Haus-, Hof- und Herd-Ära vorbei ist und daß sich die gesellschaftlichen Anforderungen an das weibliche Geschlecht radikal geändert haben.
[Frankfurter Rundschau, 13.01.1999, S. 20]
Wegen der vielen geraden Metallteile, Schrauben und Muttern war damals aber ein gewisses ästhetisches Defizit zu beklagen. Inzwischen ist es möglich, wesentlich naturgetreuere Modelle herzustellen.

Zwei Sträuße gelber Tulpen schmücken den schlichten Altar.
[Berliner Zeitung, 12.03.2001, S. 28]
Strauße sind Laufvögel, die gewohnt sind, über riesige Territorien zu verfügen.
[Salzburger Nachrichten, 22.10.1994; Tierleid und Verlustgeschäft]

b) Verschiedene Genera

Nun gibt es noch Wörter, die sich schon äußerlich dadurch voneinander abgrenzen, dass sie einen anderen Artikel besitzen. Hier kommt es auch zu unterschiedlichen Bedeutungen. Zu diesem Phänomen, nämlich zu den Bedeutungsunterschieden bei Genusvarianz, gibt es auch noch einen weiteren Artikel: Der Moment und das Moment - Bedeutungsunterschiede bei Genusvarianz.

Band beispielsweise kann sogar drei verschiedene Bedeutungen haben: Das Band kann etwas sein, das - grob beschrieben - um Dinge gebunden wird und den Plural Bänder (Haarbänder, Videobänder, Messbänder, Maßbänder etc.) hat, das Band kann allerdings auch eine Bindung, eine enge Beziehung zwischen Menschen bezeichnen, wobei dann die Pluralform Bande gebraucht wird (Familienbande, zarte Bande). Der Band jedoch bezeichnet ein Buch, mehrere Bücher bezeichnet man dann als Bände (Bildbände).

Diese Gruppe weist noch eine Vielzahl von weiteren Wörtern auf. Allerdings scheint Band mit seinen drei verschiedenen Pluralformen eine Ausnahme darzustellen:

Singular Plural Singular Plural
Bund, der Bünde = Einfassungen an Röcken bzw. an Hosen (mit Stoffstreifen); Vereinigungen Bund, das Bunde = zu einem Bündel Zusammengebundenes
Flur, der Flure = Gänge, Dielen Flur, die Fluren = Landschaften
Gehalt, der Gehalte = Inhalte, Anteile Gehalt, das Gehälter = Löhne
Kiefer, der Kiefer = Schädelknochen Kiefer, die Kiefern = Nadelbäume
Leiter, der Leiter = Manager; Stoffe, dieEnergie leiten Leiter, die Leitern = Geräte mit Sprossen oder Stufen zum Hoch- bzw. Hinuntersteigen
Mangel, der Mängel = Fehlerhaftigkeit Mangel, die Mangeln = Geräte zum Glätten von Wäsche (Wäschemangel)
Marsch, der Märsche = Musikstücke; das Marschieren Marsch, die Marsche = Landschaften
Schild, der Schilde = Schutzschilde, Wappenschilde Schild, das Schilder = Verkehrsschilder
Steuer, die Steuern = Finanzielle Abgaben an den Staat Steuer, das Steuer = Vorrichtungen zum Lenken
Tor, der Toren = Törichte, unkluge Menschen Tor, das Tore = Große Türen; Tore beim Sport

Kontrastierende Belege (Abschnitt ein-/ausblenden)

Der Produzent für Schrägbänder und Hosenbünde feiert am 1. September sein fünzigjähriges Bestehen.
[Frankfurter Allgemeine, 1995]
GAL-Kollege Martin Schmidt (ewiger Franke) und selbst Sozialsenatorin Karin Roth (Nürtingen pur) fallen dem redlich Bünde schmiedenden Bürgermeister in den Rücken.
[die tageszeitung, 01.04.2000, S. 30]
Mousse: 4 Bunde Petersilie, 2 Schalotten, 200 g Spinat, 200 g Frischkäse, Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker, ein paar Spritzer Worcestersauce.
[Züricher Tagesanzeiger, 22.02.2000, S. 17]

Er lässt seine Mittagspause sausen und eilt noch einmal die Flure entlang, damit der Besuch den jüngsten Stolz des Hauses zu sehen bekommt.
[die tageszeitung, 01.03.2005, S. 5]
Nach einer längeren Fahrt durch Forste, Fluren und Hügel des Wienerwaldes folgt ein letzter längerer Anstieg.
[Die Presse, 27.05.2000, Ressort: Spectrum/Wissenschaft]

Die verschiedenen Gehalte gerade der französischen Mineralwasser spiegeln die Wünsche der Kundschaft.
[die tageszeitung, 27.08.2005, S. 29]
Beamte für Nullrunde Ihre Bedingung: Einführung der Dienstrechtsreform, die leistungsorientierte Gehälter vorsieht, in allen Ländern
[die tageszeitung, 12.01.2005, S. 2]

Unermüdlich zermalmten seine Kiefer den Kaugummi.
[Berliner Zeitung, 02.05.1998, Ressort: Sport; Ein Verdienstorden für Leidensfähigkeit, S. 32]
Der Berliner Wald besteht zu 66 Prozent aus Kiefern, während in Süddeutschland eher Fichtenwälder die Regel sind.
[die tageszeitung, 24.11.2004, S. 22]

In Krefeld und Oer-Erkenschwick wurden die Leiter der Untersuchungsstellen von sämtlichen Funktionen entbunden, weil sie Fleischlastzüge ohne Kontrolle abgefertigt hatten.
[die tageszeitung, 22.05.1987, S. 2]
Da die Zustände ab dem unteren Ende der Leiter alle besetzt sind, muss bei einer Kompression den Elektronen am oberen Ende der Leiter Energie zugeführt werden.
[ErikDunsing u.a.: Weißer Zwerg, In: Wikipedia - URL:http://de.wikipedia.org: Wikipedia, 2005]
Ehe die Leitern an die Bäume gestellt wurden, sprachen sich die Kursleiter mit den Teilnehmern über das geplante Vorgehen ab.
[St. Galler Tagblatt, 18.02.1998; Mehr Laub bringt dickeres Wachstum]

Das neue Gesamtsprachkonzept seinerseits wies erhebliche Mängel und Ungerechtigkeiten auf.
[die tageszeitung, 24.02.2003, S. 14]
An den meterbreiten Mangeln stehen auch hier meistens Frauen, die Mehrzahl Vietnamesinnen, und mangeln, mangeln, mangeln.
[die tageszeitung, 09.10.1990, S. 23]

Was es alles darin gibt! Märsche verschiedener Art, Ragtime, Walzer, Tango, Choral.
[Berliner Zeitung, 24.01.1998, Ressort: Feuilleton; Der Teufel hat die Hand nicht im Spiel "Spectrum Concerts" feiern zehnjähriges Jubiläum, S. 12]
Vor allem die Moore und Marsche im Bereich der Elbe seien von der Hitze bedingten Trockenheit stark beeinträchtigt worden.
[die tageszeitung, 14.08.2003, S. 22]

Daneben erfreuten sich Speere, Blasrohre, Schilde und Keulen sowie Waffen jeglicher Art einer großen Beliebtheit.
[die tageszeitung, 20.03.1991, S. 15]
"Radfahrer absteigen und andere Straßenseite benutzen" gebieten zwei große weiße Schilder am Fuß des Abhangs.
[die tageszeitung, 22.03.2005, S. 21]

Fußball: Bierhoff schießt zwei Tore.
[die tageszeitung, 26.01.1998, S. 19]
Nur die beiden Tore des Altbaus sind noch zu sehen.
[Berliner Zeitung, 02.01.1998, Ressort: Feuilleton; Schöner arbeiten, herstellen und handeln, S. 11]

3. Ein besonderer Fall: der Strahl

Einen interessanten Fall stellt das Wort Strahl dar, wie es auch in Komposita, wie Lichtstrahl, Wasserstrahl, Sonnenstrahl, Lampenstrahl oder Röntgenstrahl, vorkommen kann. Die modernen Wörterbücher verweisen meist nur auf eine Pluralform: die Strahlen.

Warme Strahlen tauchen die Stadt in goldenes Licht und lassen einen das Frösteln vergessen. [die tageszeitung, 13.02.2003, S.20]
Mit solchen Sunblockern könnte sich ein Rotblonder mit besonders empfindlicher Haut den ganzen Tag den Strahlen aussetzen, sogar wenn die Sonne doppelt so kräftig scheinen würde. [St. Galler Tagblatt, 19.07.2000, Mit dem Schutzfaktor steigt auch der Preis]

Allerdings werden einige Sprecher des Deutschen vielleicht aufhorchen und meinen, es gäbe doch auch den Plural Strahle. Für Strahle finden sich in den Textkorpora des IDS zwar keine Belege, allerdings doch ein paar, im Internet sogar sehr viele für Komposita auf -strahle, wenn auch viel weniger als für den Plural Strahlen.

Zielpunkte der kräftigen Wasserstrahle waren entweder ein brennendes Hausdach, ein Ball in einer Art Flipper-Parcours oder die beweglichen Fensterläden einer Fassade.
[Mannheimer Morgen, 22.07.2002, Erst Robin Hood, dann Feuerwehrmann]
Bio-Peeling, Tiefenbehandlung durch mikrofeine Hochdruck-Wasserstrahle und Auftragen spezieller Pflegeprodukte.
[OpenPR - das offene PR-Portal: http://openpr.de/news/93771/Ein-verjuengtes-Gesicht-ohne-Einschnitte.html, Stand vom 14.09.07]
Gigantische Wasserstrahle bilden einen abstrakten, sich in ständiger Bewegung befindlichen Hintergrund des Sportpalastes, einem großen, runden Pavillon am Anfang der Ausstellung. [Pressemitteilung zur EUROFLORA 2006: http://www.fiera.ge.it/uploadedFiles/com15_ted.pdf, Stand vom 14.09.07]

Hier liegt wohl wieder ein inhaltlicher Unterschied vor: Wasserstrahle beispielsweise sind zählbar, weswegen möglicherweise die Pluralform Strahle genutzt wird, Sonnen- oder Röntgenstrahlen sind dagegen nicht zählbar, und hier ist die Pluralform auf -strahlen gebräuchlich. Ein weiterer inhaltlicher Unterschied besteht hierin: Wasser ist materiell, es besteht aus Teilchen, während Sonnen- und Röntgenstrahlen Energiewellen sind.

Obige "Strahlentheorie" hört sich zwar sehr schön an, in der Realität wird sie allerdings nicht konsequent angewandt. Oft ist die Anzahl der Plurale auf -en sehr viel höher, wenn die Zusammensetzungen mit -ung besonders häufig sind, doch scheint auch hier kein grundsätzlicher Zusammenhang zu bestehen. Es gibt auch viele Belege für Lichtstrahle oder Lampenstrahle auf der einen Seite und Wasserstrahlen auf der anderen Seite.

Zwei "Lichtstrahle" am Wörgler Himmel waren zu wenig.
[Neue Kronen-Zeitung, 18.04.1995, S.48]
Bei Fehlsichtigen kann das Auge die Lichtstrahlen nicht mehr so bündeln, dass sie auf der Netzhaut scharf abgebildet werden.
[St. Galler Tagblatt, 27.02.1999; Das Auge im Visier der Chirurgen]
Lampenstrahle schneiden durch den Qualm, suchend.
[die tageszeitung, 14.10.2004, S.24]
Zwei Feuerwehrwagen bildeten mit Wasserstrahlen einen Triumphbogen.
[Berliner Zeitung, 06.07.2004, S.14]

Dabei lässt sich hier sicherlich festhalten, dass zumindest die Pluralform Strahlen nie falsch ist und immer verwendet werden kann.

Fazit

Wörter bezeichnen einzelne Wörter, wie sie in Listen, Wörterbüchern oder als Elemente von Texten auftreten, Worte mehrere zusammenhängende Wörter, Reden oder Redeteile (z.B. ermutigende Worte). Die so genannten "Teekesselchen", die schon im Singular verschiedenen Dinge bezeichnen, haben oft verschiedene Plurale, etwa Bau - Baue/Bauten. Bei Strahl kann der Plural variieren.

Verwendete Literatur: Wegener 2004.