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Schlagwörter: Artikel Genus Nomen

Der, die oder das Nutella? — Zum Genus von Produktnamen

Produktnamen wie Nutella (aus englisch nut 'Nuss' und der italienischen Endung -ella) geht es wie Fremdwörtern: Sie müssen erst eingepasst werden in unsere deutsche Sprache. Wie bei den Fremdwörtern sind wir zum Beispiel oft unsicher, welches Genus, welches grammatische Geschlecht, dem Produktnamen zugeschrieben werden soll: Sollen wir der Nutella, die Nutella oder das Nutella sagen?

Schauen wir uns dazu die generellen Prinzipien an, nach denen entschieden wird, welches Genus ein Fremdwort bekommt.

  • Erstens entscheiden wir nach dem Gestaltprinzip: Danach sind zum Beispiel Fremdwörter auf -er analog zu vielen einheimischen Wörtern auf -er maskulin: Wegen der Lehrer, der Plattenspieler sagen wir auch der Tuner.
  • Zweitens entscheiden wir nach dem Leitwortprinzip: Danach ist zum Beispiel eine Bezeichnung für einen Schnaps genau wie das Wort Schnaps maskulin: Wegen der Schnaps sagen wir der Grappa.
  • Drittens leitet uns das Prinzip des Quellgenus: Danach übernehmen wir das Genus der Quellsprache: Wegen italienisch la grappa sagen wir die Grappa.

Wie an den beiden letzten Beispielen deutlich wird, widersprechen sich die Prinzipien mitunter und es kommt zu Parallelformen wie der Grappa und die Grappa. (Genauer kann man das hier, wissenschaftlich formuliert auch hier nachlesen.) Genauso ist es auch bei Produktnamen, denn die drei Prinzipien, die für Fremdwörter gelten, gelten auch für Produktnamen:

Das Gestaltprinzip

Wörter auf -a sind im Deutschen meist feminin: die Pasta, die Pizza, die kleine Lea; daher neigen wir zu die Cola. Bezeichnungen für chemische Stoffe auf -in sind im Deutschen meist neutrum: das Sacharin, das Insulin, das Pektin; daher neigen wir zu das Aspirin:

Bis man sich schließlich mit dem Tablett zur Kasse durchgeschlagen hat, ist das Nasi-goreng wieder kalt, dafür war die Cola schon immer warm.
[Die Zeit 31.05.1996, S. 59]

Das Unternehmen, das der Welt einst das Aspirin gab, ist an der Börse ein Kopfschmerzkandidat.
[Die Zeit 13.10.2000, S. 32]

Das Leitwortprinzip

Aber nicht nur das Gestaltprinzip, auch das Leitwortprinzip bringt uns auf die Cola: Wegen die Limonade sagen wir die Cola. Allerdings assoziieren wir Cola auch mit einem Getränk und sagen deshalb ebensooft: das Cola. Wegen Uhr heißt es die Rolex, wegen die Kamera heißt es die Minox, wegen Mundwasser heißt es das Odol. Wegen die Tablette heißt es die Aspirin. Bei der klassischen Nivea denken wir uns die Creme dazu (http://de.wikipedia.org/wiki/Nivea) und beim Tempo das Taschentuch:

dass das Wasser zu kalt, das Cola zu süß, der Iso-Drink zu intensiv, der Tee zu wenig sind.
[Kleine Zeitung 18.10.1999]

1908 wurde in Bern eine Schokolade erfunden, die in der Zwischenzeit Weltberühmtheit erlangt hat: die Toblerone.
[St. Galler Tagblatt, 07.10.1998]

Einzig die Aspirin am nächsten Morgen ist garantiert nicht aus kontrolliert-biologischem Anbau.
[die tageszeitung 16.12.1995, S. 34]

Florena, die Hautcreme aus Waldheim bei Leipzig - das war die Nivea des Ostens.
[die tageszeitung 18.4.1998, S. 9]

Für jede Lebenslage und Taschengröße haben wir das richtige Tempo.
[http://www.tempo-web.de/]

Das Prinzip des Quellgenus

Die Quelle eines Fremdworts ist die Sprache, aus dem das Wort entlehnt wird; die Quelle eines Produktnamens ist der kreative Hersteller des Produkts. Offenbar mögen einige Hersteller das Genus ihres Produktnamens aber nicht festlegen, so etwa der Hersteller von Nutella: "Der Artikelgebrauch ist im Deutschen strittig. Der Hersteller Ferrero benutzt das Wort Nutella artikellos" (http://de.wikipedia.org/wiki/Nutella); "nutella ist ein im Markenregister eingetragenes Fantasiewort, das in der Regel ohne Artikel verwendet wird. Es bleibt jedem selbst überlassen, welchen Artikel er vor nutella setzt" (http://www.ferrero.de).

Bei so viel Freiheit freuen wir uns natürlich und bringen unsere eigene Kompetenz und Phantasie ins Spiel. Wie sagen wir denn nun: Der Nutella, die Nutella oder das Nutella?

Zunächst: Wirklich belegbar sind nur die Nutella und das Nutella:

... die diversen Jobs, mit denen sie das Nutella für sich und ihren 11jährigen Arthur verdient ...
[die tageszeitung 6.10.1997, S. 14]

Bloß den Kaba mit Mangogeschmack und die Nutella für die lieben Kleinen sollten wir nicht vergessen.
[die tageszeitung 19.01.1990, S. 28]

Der Nutella dagegen gibt es offenbar ausschließlich in den Foren, in denen diskutiert wird, ob denn nun auch der Nutella gesagt werden kann:

Im Internet trifft sich auch die Nutella-Fangemeinde. Neben zahlreichen Nutella-Rezepten werden Fragen diskutiert wie: Heisst es "der", "die" oder "das" Nutella?
[Züricher Tagesanzeiger, 27.11.1999, S. 80]

Und weil Nutella jedem gehört, darf auch jeder damit machen, was er will. Nutella ist ein im Markenregister eingetragenes Fantasiewort. Deshalb bleibt es jedem und jeder überlassen, ob er oder sie "der", "die" oder "das" Nutella sagt.
[die tageszeitung, 18.12.2004, S. IV]

So alt wie Nutella dürfte auch der Streit darüber sein, wie es nun richtig heißt: die Nutella, das Nutella oder gar der Nutella?
[http://www.wdr.de/radio/wdr4/rat_tat/stars_helden_idole/2005_0415.phtml]

Fazit

Wer sich an das Übliche halten möchte, sagt die oder das Nutella.

Wem das Übliche nicht wichtig ist, kann nach dem Leitwortprinzip (wegen der Brotaufstrich) auch der Nutella sagen.